Drunter und Drüber – Infrarotbild und Original in der Alten Pinakothek

(CE) Das berühmte Selbstporträt aus dem Jahr 1500 von Albrecht Dürer hat mich schon als Kind fasziniert. Nun ist es möglich, durch digitale Infrarotreflektografie Dürers Unterzeichnung sichtbar zu machen. Etwas, das nur der Maler selbst sah – und nach Jahrhunderten jetzt wir. Sechs prominente Werke von Dürer, Cranach, Altdorfer, Baldung Grien und Holbein samt ihrem 1:1 Infrarotbild zeigt noch bis zum 18. September eine kleine Schau in der Alten Pinakothek. Und der Vergleich zwischen Vorzeichnung und fertigem Werk ist wirklich faszinierend.

So hat sich Dürer in der Unterzeichnung schonungslos realistisch porträtiert, präziser, härter. Einer Maske oder einem Make-up nicht unähnlich, hat er dann mit Ölfarben eine zweite finale Schicht auf die Vorzeichnung gelegt. Die Nase ein wenig begradigt, Hautunreinheiten beseitigt, Kantiges und Falten geglättet. – Machen wir das nicht alle genau so? Jeder hat ein Drunter und ein Drüber. Es ist spannend, wenn beide Schichten sich unterscheiden, in Graden und Einzelheiten. Sind sie nicht mehr deckungsgleich, wird es in vielerlei Hinsicht schwierig.

 

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