Interview mit einem Schäffler

(CE/DE) Grüß Gott Herr Schiedermeier, schön, dass Sie mit dem Münchner Kindl kurz für uns Zeit haben. Gibt es unter den Tänzern wirklich noch Schäffler, also Fassmacher?
Ja, es sind fünf wirkliche Schäffler mit dabei. In der Fassfabrik Schmid in der Straubinger Straße sind die angestellt. Ansonsten sind es Handwerker. Aber es san auch Banker mit dabei. Jeder, der die Tradition weiterführen möchte, ist bei uns herzlich willkommen.

Wie lange und wie oft proben Sie vor der jeweiligen Tanzsaison?
Traditionell wird ab Ende der Wiesn begonnen. Dieses Mal war es der 4. Oktober. Ab da haben wir zwei Mal die Woche geprobt, bis auf die Weihnachtswoche.

Wie viele Tanzsaisons haben Sie persönlich schon mitgemacht?
Des ist mei zweite.

Warum tanzen Sie nur alle sieben Jahre?
Es gibt da mehrere Möglichkeiten, so wie es auch auf unserer Internetseite steht. Die Pest ist komischerweise in einem Rhythmus von sieben Jahren aufgetaucht. Man hoffte, durch das Tanzen alle sieben Jahre der Pest so Einhalt zu gebieten. Sieben ist eine magische Zahl, des kommt auch mit dazu.

Was mögen Sie besonders am Schäfflertanz?
Erstes Mal, dass er nur alle sieben Jahre ist. Das Schöne ist einfach des, wie sich die Leut freuen, wenn wir kommen. Wir sind im Endeffekt nicht so ein Gaudiverein oder Faschingsverein, sondern wir sind wirklich zur Erhaltung der Tradition da. Und von der Landeshauptstadt auch beauftragt, des Ganze weiterzuführen. Und des ist auch das Schöne.

Ist es besonders schwierig, den Schäfflertanz zu tanzen?
Wenn man den Schritt, also diesen Schlurferschritt, wenn man den einmal intus hat, dann kann man das eigentlich recht locker tanzen. Dann muss man halt die Choreografie mit einstudieren und dann ist des alles eigentlich kein Hexenwerk.

Haben die einzelnen Tanzfiguren wie Schlange, Laube, Kreuz oder Krone eine bestimmte Bedeutung?
Ja, haben sie. Die Schlange zum Beispiel ist der Lindwurm und steht für die Pest. Dann das Kreuz, dadurch dass wir in Bayern san, das Katholische. Hommage an die Kirche. Dann die Krone, das sind die bayerischen Könige. Wir sind sehr verbunden mit dem Hause Wittelsbach. Die Laube ist einfach so mal mit dazugekommen. Die vier kleinen Kreise dagegen erinnern an die höfischen Tänze im Mittelalter.

Der Legende nach signalisierten und feierten die Schäffler mit ihrem öffentlichen Tanz das Ende des Pest in München. Was feiern Sie heute mit dem Tanz?
Wir erinnern an das Ganze und wollen einfach die Tradition aufrecht erhalten. Und auch wenn es a mal den Leut nicht so gut geht, einfach wieder Freude verbreiten. Jeder lacht und jeder freut sich. Des ist eigentlich unser Anliegen, dass wir einfach Fröhlichkeit verbreiten können und dann passt des scho.

Was sagen Ihnen die Menschen? Von wem bekommen Sie das meiste Lob? Von den Münchnern oder von den Touristen?
Von allen. Sie freuen sich einfach alle, wenn wir da san und wenn der Tanz gelingt. Jung und alt. Wir kriegen unheimlich viele positive Rückmeldungen von 20 /25-jährigen, die sagen: „Uih, des hab ich ja schon in der Grundschule damals gesehen.“

Was sind Sie eigentlich von Beruf?
I bin Elektromeister.

Herr Schiedermeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch und weiterhin ganz viel Erfolg.
Die Schäffler tanzen noch bis zum 21.2. (Faschingsdienstag). Alle Termine sowie viele Informationen zum Schäfflertanz gibt es auf der offiziellen Website des Fachvereins der Schäffler Münchens.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.