Werke von Anselm Kiefer erstmals in der Öffentlichkeit

(DE) Neuer Höhepunkt im Sammlungsprofil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen: Dank der Michael & Eleonore Stoffel Stiftung konnten fünf herausragende Werke von Anselm Kiefer erworben werden. Seit kurzem sind sie in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

Zu bestaunen sind zwei Wandbilder mit dem Titel ´Occupations´ von 2011, das Gemälde ´Der Sand aus den Urnen´ von 2009 sowie die Vitrinen ´Die 12 Stämme´ von 2010 und ´Morgenthau´ von 2016 (Fotos zum Vergrößern bitte anklicken).

Kiefer, seit langem einer der bedeutendsten deutschen zeitgenössischen Maler, beschäftigt sich in seinen modernen Historienbildern mit Menschheitsfragen und schuldbeladener Geschichte.

So bricht er in den  ´Occupations´ erneut das Schweigen über das Dritte Reich und benutzte dazu seine Fotoserie ´Besetzungen´. Mit ihnen sorgte er noch als Student für einen Skandal, als er sich in der Wehrmachtsuniform seines Vaters  an verschiedenen europäischen Orten mit Hitlergruß festhielt. Vor einiger Zeit übertrug der Künstler die Fotos auf gigantische Bleiplatten und ließ sie durch einen Korrosionsprozess ästhetisch verschwimmen.

Vieles ist bei Kiefer bedeutungsgeladen, etwa das Material Blei, zum einen giftig, zum anderen alchemistischer Grundstoff zur Goldgewinnung. Hart und biegsam zugleich dient es zur Herstellung von Munition wie zur Panzerung und Abdichtung von Gebäuden. Auch das Gemälde ´Der Sand aus den Urnen´ ist zweideutig. Das Werk erscheint erhaben und banal zugleich. Wirkt es auf den ersten Blick wie eine Ruinenlandschaft, so handelt es sich in Wirklichkeit um eine indische Manufaktur für Backsteine. Kiefer geht es um die Gegenpole von Ordnen und Verwüsten, Erschaffen und Zerstören. Mehr über die Werke, auch über die beiden Vitrinen, gerne in einer Führung mit Kunst-Tour.

Schnappschuss: Endlich befreit

(CE) Drei Jahre, drei lange Jahre war sie verhüllt, die Schöne. In diesen Tagen werden endlich die letzten Gerüste abgebaut. Nun strahlt sie wieder, die wunderbare, einzigartige Theatinerkirche im hellen Münchner Gelb. Viele ausländische Gäste bestätigen uns bei unseren Führungen, dass der Blick von der Feldherrnhalle auf die Theatinerkirche und dann weiter über den Odeonsplatz zur Ludwigstraße zu den schönsten in Europa gehöre. Das ist wohl wahr. Ohne die von Francois Cuvilliés vollendete Fassade der Hofkirche der Wittelsbacher würde dem Odeonsplatz gewaltig etwas fehlen: die Grandezza des römischen Barock. Diesen nämlich haben die italienischen Architekten Barelli, Spinelli und Zuccalli in einer Gemeinschaftsleistung nach München gebracht. Vorbild der Theatinerkirche von 1690 war die römische Kirche Sant´ Andrea della Valle (Wikipedia), die 1650 geweiht wurde. Dieser ebenfalls sehr schönen Kirche jedoch fehlt etwas, was unsere Theatinerkirche hat, nämlich zwei Flankentürme an der Schaufassade. Sie wurden glücklicherweise bei der Theatinerkirche gebaut und tragen wesentlich zu ihrer feierlich heiteren Wirkung bei. Im bayerischen Barock nämlich hat eine Kirche mindestens einen Turm.

Kultur pur: 3. Kunstareal-Fest

(DE) Ein Highlight im Münchens Kulturkalender ist das 3. Kunstareal-Fest, das am kommenden Wochenende 24./25. Juni gefeiert wird. Bei freiem Eintritt finden über 130 Veranstaltungen an 32 Orten statt, darunter Workshops, Vorträge, Führungen, Konzerte und thematische Spaziergänge. Das diesjährige Motto lautet „Denkanstöße. Das Kunstareal München“.

Viele Angebote bieten die Möglichkeit, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen oder selbst kreativ und damit Teil des Programms zu werden. Gezielt an Kinder und Jugendliche richtet sich das „Junge Programm“. Diese haben die Qual der Wahl und können aus mehr als 30 Angeboten auswählen, darunter Comicworkshop, Holzwerkstatt, Kunstauskunft von Jugendlichen oder Blicke hinter die Kulissen. Das gesamte Programm des Kunstareal-Fest gibt es unter www.kunstareal.de

Schnappschuss: Cottage-Stil in Gern

(CE) Wer hätte nicht gern ein Häuschen in Gern? Cottages nannten die Architekten Jakob Heilmann und Max Littmann ihre ersten Reihenhäuser, als sie 1892 begannen, eine kleine private Reihenhaus- und Villenkolonie vor den Toren der Stadt zu bauen. Drei wunderbar gepflegte Häuser in der Tizianstraße zeigt unser Schnappschuss. Es sind nicht die einzigen. Erleben Sie dieses idyllische Viertel in unserem neuen Stadtspaziergang ´Idyllische Künstlerkolonie Gern´.

 

Magic City – Street Art Show im Olympiapark

(CE) Bansky, Blek Le Rat, Dan Witz, Ron English oder Loomit, die Ausstellung ´Magic City´ in der Kleinen Olympiahalle wartet mit großen Namen der Street Art Szene auf. Insgesamt 66 Werke von Künstlern aus 20 Nationen sind zu sehen. Wie in einer kleiner Stadt schlendert man in der Halle durch Straßen und besucht einzelne Viertel. Ins Auge springt, wie vielfältig und technisch brillant die einzelnen Arbeiten sind. Street Art beschränkt sich bei weitem nicht mehr auf gesprühte Graffitis an Hauswänden, sondern umfasst mittlerweile aufwändige Multimedia-Installationen, Plastiken sowie unterschiedliche malerische und grafische Stilformen. Werke berühmter Street Art Künstler werden heute auf Kunstmessen und in Galerien der Fine Art hoch gehandelt.

Die sehenswerte Ausstellung ist in München bis zum 3. September zu sehen. Hier erste Eindrücke (zum Vergrößern auf die Bilder klicken).

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Divine X Design in der Glyptothek

(CE) Studierende der Akademie für Mode und Design München haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das den Besuch der Glyptothek und Antikensammlung mehr als lohnt. Studieninhalt über zwei Jahrgänge war es, antike Kleidung und zeitgenössisches Modedesign in Dialog treten zu lassen. Die eine Gruppe der Studierenden hatte die Aufgabe, sich an den raffinierten Faltenwürfen antiker Kleider zu orientieren, die andere an den Silhouetten antiker Vasen oder Elementen griechischer Mythologie. Herausgekommen sind faszinierende Kleidungsstücke, die Seite an Seite mit den als Inspiration dienenden griechischen Kunstwerken bis zum 8. Oktober ausgestellt werden.

Bei jedem Besuch der Glyptothek fasziniert mich die Schönheit der antiken Kunst. Hinzukommt die harmonische Architektur der Museums von Leo von Klenze, welche einen perfekten Rahmen bildet. Mit den Kleidern der Ausstellung ´Divine X Design´ kommt eine dritte ästhetische Ebene hinzu, die in der Tradition der Sonderausstellungen der Glyptothek auf die Antike Bezug nimmt, sie variiert und in das Heute überführt. Sehenswert. Einige Bilder finden Sie hier.

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Großflächige Eleganz und lässige Coolness – Alex Katz in der Galerie Klüser

(DE) Hommage an Alex Katz heißt die soeben eröffnete Ausstellung in den beiden Münchner Filialen der Galerie Klüser in der Georgenstraße 15 und Türkenstraße 23. Anlass ist der 90. Geburtstag des immer noch bemerkenswert aktiven New Yorker Malers, der zu den profiliertesten amerikanischen Künstlern der letzten 50 Jahre zählt. Sein Werk liegt zwischen modernem Realismus und Pop Art – mit Anklängen an die große Farbfeldmalerei der 1960er Jahre.

Alex Katz © Photo Kunst-Tour

Alex Katz, Cutout © Photo Kunst-Tour

Klüser präsentiert Werke aus den vergangenen Jahrzehnten: Portraits und Landschaften sowie eines seiner gelungenen Cutouts. Es handelt sich dabei um einen Hybrid aus Gemälde und Skulptur. Ein lebensgroßer Frauenkopf auf Aluminiumplatte gemalt, ausgeschnitten und auf eine Eisenstange montiert. Bereits 1959 entstand das erste Cutout. Weil ihm der Hintergrund nicht gelungen erschien, schnitt Katz die im Vordergrund dargestellte Figur einfach aus der Leinwand heraus, zog diese damals auf Sperrholz auf und montierte sie auf einen Sockel.

Alex Katz, Dark Brown Hat, 2002 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Alex Katz, Dark Brown Hat, 2002 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Charakteristisch für die Porträts von Katz sind überlebensgroße Brustbilder und Köpfe vor meist monochrom leuchtenden Hintergründen. Die Gestaltung ist vereinfacht, flächenhaft, fast schablonenartig und der Gesichtsausdruck auf das Wesentliche reduziert. Eine Art Markenzeichen sind glatt aufgetragene Farben und durch eine gewisse Flachheit die Betonung der Zweidimensionalität der Gemälde. Alex Katz: “Mir als Künstler geht es nicht um irgendeine Moral, nicht um Wahrheit, sondern um das Visuelle, die Oberfläche der Dinge.” Von vielen Arbeiten von Katz geht inhaltlich wie formal eine ausgesprochene Lässigkeit und Coolness aus.

Alex Katz, Sparkling Sea 1, 2007, Oil on canvas © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Alex Katz, Sparkling Sea 1, 2007 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Sehenswert, besonders in der Türkenstraße, sind Katz´ Landschaften, die japanischen Holzschnitten vergleichbar perfekte Augenblicke einfangen. Durch sensible Farbgebung und Lichtregie gelingen Katz hier trotz starker formaler Vereinfachung atmosphärisch dichte Bilder.

Letztes Jahr entwarf Katz übrigens als erster Künstler eine Kollektion für H&M, ein Auftrag, der ganz nach seinem Geschmack war. Er schwärmte: „Es ist aufregend, für H&M zu arbeiten und so Kunst zugänglicher für viele Leute zu machen.“ Die Ausstellungen in den beiden Galerien Klüser laufen bis zum 25. März diesen Jahres.

House of Wonders – und das schon sieben Wochen vor Weihnachten!

(DE) ´House   Wonders´ steht in farbigen Lettern auf T-Shirts, die hoch oben an einer Wäscheleine baumeln. Alle zehn Minuten startet eine Drohne und fügt das „of“ in eine Lücke dazwischen. Sie trägt ein gestricktes Oberteil und ähnelt eher einem possierlichen Haustierchen als einem technischen Gerät.

www-kunst-tour-de_aisslinger1Nach Konstantin Grcic ist nun der Berliner Produktdesigner Werner Aisslinger der Einladung der Neuen Sammlung nachgekommen, für die Paternoster-Halle in der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwerfen. Dazu verwandelte er diesen Ort in ein interaktives, sehr farbenfrohes Wunderhaus, das aus verschiedenen Modulen besteht.

Aisslinger zeigt veränderbare, ungewöhnlich kombinierte Wohn- und Arbeitssituationen. Die Verbindung aus Work und Wellness zum Beispiel funktioniert in einer „Farming-Cooking-Landscape“, einer Mischung aus Küche, Wohnzimmer und Gewächshaus. In einem Raum können Pflanzen geerntet, auf einer bodennahen Kochstelle zubereitet und zugleich nach Nomadenart darumherum sitzend genossen werden. Wenn man genauer darüber nachdenkt, eine Idee, die unser aller Wohn-Ess-Konzept revolutionieren könnte. Und ungemein gesellig ist es auch noch!

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Im Obergeschoss findet sich das „Chamber of Books“, eine modern interpretierte Bibliothek mit Regalen, die auch aus Büchern bestehen. Daneben liegt „My Jungle“, ein Rückzugsort voller Pflanzen, die besonders viel Sauerstoff produzieren. Zusammen mit speziellen Sitzmodulen und Schaukeln entsteht hier ein wahres Outdoor-Gefühl. Auch die beiden Paternoster der Halle wurden in die Wohnsituation einbezogen und präsentieren wie selbstverständlich Highlights aus Aisslingers Designerschatz.

Vor der Wohnsituation dann eine Art Garten, in dessen Beeten und einem Gewächshaus Möbel gezüchtet werden. Eine couchartige Hollywoodschaukel lädt zum Relaxen ein, während ein freundlich aussehender Gartenroboter – auch wieder mit Strickpullover – leise surrend die Gartenarbeit übernimmt.

Ergänzt wird die Ausstellung ab Ende November im Außenbereich des Museums. An der Südseite der Pinakothek wird einer von Aisslingers „Loft Cubes“ aufgebaut, eine temporäre minimalistische Wohneinheit für den nomadenhaften Lebensstil der Menschen im urbanen Umfeld. Wir sind gespannt…

Werner Aisslinger spielerisches und doch sehr funktionales Design erfreut die Sinne. Themen wie Upcycling (Aus Alt mach Neu), Self Feeding Systems (Objekte, die sich selbst regenerieren) und der Einsatz von erstaunlichen Materialien (z.B. Spitzennetze aus dem Erzgebirge, die mit Kunststoff stabil gemacht wurden) zeichnen sein Werk aus. Zu bewundern ist die Ausstellung bis zum 17.9.2017 –  gerne auch mit einer fachkundigen Führung von Kunst-Tour. Es lohnt sich!

Nackert im Englischen Garten

(CE) Eigentlich wollte ich gestern nach einer Führung durch Schwabing den frisch restaurierten Monopteros fotografieren. Die tz hatte berichtet, er sei endlich von seinen Gerüsten befreit, was sich dann als Teilwahrheit herausstellte. Betreten kann man ihn leider noch nicht, sondern nur um ihn herumgehen.

Gestern war wieder einer dieser strahlenden, Sonnen durchfluteten Herbsttage, in denen München als nördlichstes Stadt Italiens ihr besonderes Flair entfaltet. Alle sind aus den Ferien zurück und wer nicht gerade auf der Wiesn war, genoss den Park. Ich liebe den Englischen Garten, kenne ihn in und auswendig. Die Kilometer, die ich durch ihn gejoggt, spaziert oder mit dem Fahrrad gefahren bin in über zwanzig Jahren, sind nicht wenige. Jedes Jahr kommen ein paar Führungen, meist Radtouren, hinzu.

Als Werkstudent kannte ich einen Kommilitonen, der Ende der neunziger Jahre jedes sonnige Wochenende den Nackerten im Garten, insbesondere den Damen, nachstellte. Er kam aus Bolivien oder Paraguay, war neu in München und völlig aus dem Häuschen, gänzlich unbekleidete Frauen in der Natur zu erblicken. Nach dem Wochenende nervte er dann alle mit seinen peinlichen Berichten, welche Frauen mit welchen körperlichen Vorzügen er beobachtet hatte. Nun, Mario, so hieß der Spanner, wäre heute todunglücklich. Nackte Frauen sieht man eigentlich gar nicht mehr. Wie vielen ist mir aufgefallen, dass die Nackerten im Englischen Garten seit mindestens zehn Jahren zu einer aussterbenden Art gehören. Früher fuhren die Nudisten tatsächlich im Evakostüm mit der Tram zum Englischen Garten. Öffentliche Nacktheit war politisches Statement, Ausdruck von Freiheit und Unangepasstheit. Die Nackten waren eine Touristenattraktion. Noch heute wird in manchen Reiseführern auf diese Münchner Spezialität hingewiesen. Eine ausländische Reisegruppe berichtete mir kürzlich, im Englischen Garten keinen einzigen Nackten gesehen zu haben! Man war tief enttäuscht.

Auch gestern habe ich nur drei, vier einsame Nackerte ausmachen können in ihrem Schutzgebiet der Schönfeldwiese, der offiziellen FKK-Zone des Englischen Gartens gleich gegenüber vom Monopteros. Wie vieles in München ist auch dieser Lebensbereich bestimmten Regeln unterworfen. Ordnung muss in dieser schönen Stadt sein.

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Da ich die Kamera dabei hatte, habe ich so rücksichtsvoll wie möglich die Nudisten fotografiert. Es ist ein bisschen so wie auf einer Safari, wo man auf quasi freier Wildbahn exotische Geschöpfe vor die Kamera bekommt. Hah, das ist einer und da, weiter hinten. Bei meinen vielen Besuchen des schönsten Stadtparks der Welt bin ich zu folgender Typologie gekommen, die sich auch gestern wieder bestätigte: Typ 1 ist der nackte alte Mann, 65 plus, der ein einsames Fleckchen Sonne gefunden hat und inmitten der „Textiler“, wie es in den FKK-Foren heißt, sich möglichst unauffällig verhält. Typ 1 nenne ich den G´schamigen.

www-kunst-tour-de_nackert-im-englischnen-garten-2Typ 2 ist ebenfalls männlich, etwas jünger, 50 plus, meist gut gebaut und bestückt, komplett rasiert. Diese Art bewegt sich betont demonstrativ durch das Gelände, dreht permanent ihre Runden, liegt eigentlich nie und zeigt, was sie zu bieten hat. Typ 2 ist der Poser.

www-kunst-tour-de_nackert-im-englischnen-garten-3Die Freie Körperkultur in München hat ihre Wurzeln in der Schwabinger Bohème, in deren Kreis die ersten Nudisten sich ihrer Kleidung entledigten, allerdings an versteckten Orten an der Isar oder am Lago Maggiore. Im Englischen Garten wären Sie von der Polizei verhaftet worden. Nackt-sein bedeutete damals im Zeitalter einer galoppierenden Industrialisierung zurück zur ursprünglichen Natürlichkeit des Menschen zu finden und gegen das steife Bürgertum zu rebellieren. Hier eine Aufnahme der berühmten Schwabingerin Franziska zu Reventlow, eine „Sex-Ikone“ der Zeit wie 60 Jahre später Uschi Obermeier.

Was bedeutet das Nackt-sein im Englischen Garten heute? Ist es immer noch ein antibürgerliches Statements oder ganz im Gegenteil Ausdruck einer gewissen Spießigkeit? Ist es mittlerweile unkonventionell oder nicht doch konventionell, da längst geregelt und völlig gefahrlos in puncto sozialer Ächtung? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es beides.

Um zum Schluss auf die beiden Typen zurückzukommen, ich mag die G´schamigen gerne. Den Poser finde ich höchst interessant. Bei aller Zurschaustellung schottet er sich in der Regel ab, trägt dunkle Sonnenbrillen, hört oft Musik, schaut niemanden an. Er ignoriert seine Umwelt, will aber unbedingt von dieser gesehen und wahrgenommen werden. Ein Narzisst, der im Englischen Garten seine Bühne gefunden hat und die Schönfeldwiese platzhirschend als sein Revier verteidigt. Auch diese besonderen Exemplare sollten nicht aussterben. München wäre ohne sie ganz sicher ärmer.

Erste Eindrücke von der Ausstellung ´Inszeniert´

www.kunst-tour.de_inszeniert(CE) Heute startet die sehenswerte Schau ´Inszeniert – Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst´. Die Arbeiten aus der Sammlung Goetz sind bis zum 6.11.2016 in der Hypo-Kunsthalle ausgestellt. Hier ein kurzes Video mit Eindrücken von der Pressevorbesichtigung: Youtube (Kunst-Tour Kanal)