Kultur pur: 3. Kunstareal-Fest

(DE) Ein Highlight im Münchens Kulturkalender ist das 3. Kunstareal-Fest, das am kommenden Wochenende 24./25. Juni gefeiert wird. Bei freiem Eintritt finden über 130 Veranstaltungen an 32 Orten statt, darunter Workshops, Vorträge, Führungen, Konzerte und thematische Spaziergänge. Das diesjährige Motto lautet „Denkanstöße. Das Kunstareal München“.

Viele Angebote bieten die Möglichkeit, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen oder selbst kreativ und damit Teil des Programms zu werden. Gezielt an Kinder und Jugendliche richtet sich das „Junge Programm“. Diese haben die Qual der Wahl und können aus mehr als 30 Angeboten auswählen, darunter Comicworkshop, Holzwerkstatt, Kunstauskunft von Jugendlichen oder Blicke hinter die Kulissen. Das gesamte Programm des Kunstareal-Fest gibt es unter www.kunstareal.de

Schnappschuss: Cottage-Stil in Gern

(CE) Wer hätte nicht gern ein Häuschen in Gern? Cottages nannten die Architekten Jakob Heilmann und Max Littmann ihre ersten Reihenhäuser, als sie 1892 begannen, eine kleine private Reihenhaus- und Villenkolonie vor den Toren der Stadt zu bauen. Drei wunderbar gepflegte Häuser in der Tizianstraße zeigt unser Schnappschuss. Es sind nicht die einzigen. Erleben Sie dieses idyllische Viertel in unserem neuen Stadtspaziergang ´Idyllische Künstlerkolonie Gern´.

 

Magic City – Street Art Show im Olympiapark

(CE) Bansky, Blek Le Rat, Dan Witz, Ron English oder Loomit, die Ausstellung ´Magic City´ in der Kleinen Olympiahalle wartet mit großen Namen der Street Art Szene auf. Insgesamt 66 Werke von Künstlern aus 20 Nationen sind zu sehen. Wie in einer kleiner Stadt schlendert man in der Halle durch Straßen und besucht einzelne Viertel. Ins Auge springt, wie vielfältig und technisch brillant die einzelnen Arbeiten sind. Street Art beschränkt sich bei weitem nicht mehr auf gesprühte Graffitis an Hauswänden, sondern umfasst mittlerweile aufwändige Multimedia-Installationen, Plastiken sowie unterschiedliche malerische und grafische Stilformen. Werke berühmter Street Art Künstler werden heute auf Kunstmessen und in Galerien der Fine Art hoch gehandelt.

Die sehenswerte Ausstellung ist in München bis zum 3. September zu sehen. Hier erste Eindrücke (zum Vergrößern auf die Bilder klicken).

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Divine X Design in der Glyptothek

(CE) Studierende der Akademie für Mode und Design München haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das den Besuch der Glyptothek und Antikensammlung mehr als lohnt. Studieninhalt über zwei Jahrgänge war es, antike Kleidung und zeitgenössisches Modedesign in Dialog treten zu lassen. Die eine Gruppe der Studierenden hatte die Aufgabe, sich an den raffinierten Faltenwürfen antiker Kleider zu orientieren, die andere an den Silhouetten antiker Vasen oder Elementen griechischer Mythologie. Herausgekommen sind faszinierende Kleidungsstücke, die Seite an Seite mit den als Inspiration dienenden griechischen Kunstwerken bis zum 8. Oktober ausgestellt werden.

Bei jedem Besuch der Glyptothek fasziniert mich die Schönheit der antiken Kunst. Hinzukommt die harmonische Architektur der Museums von Leo von Klenze, welche einen perfekten Rahmen bildet. Mit den Kleidern der Ausstellung ´Divine X Design´ kommt eine dritte ästhetische Ebene hinzu, die in der Tradition der Sonderausstellungen der Glyptothek auf die Antike Bezug nimmt, sie variiert und in das Heute überführt. Sehenswert. Einige Bilder finden Sie hier.

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Großflächige Eleganz und lässige Coolness – Alex Katz in der Galerie Klüser

(DE) Hommage an Alex Katz heißt die soeben eröffnete Ausstellung in den beiden Münchner Filialen der Galerie Klüser in der Georgenstraße 15 und Türkenstraße 23. Anlass ist der 90. Geburtstag des immer noch bemerkenswert aktiven New Yorker Malers, der zu den profiliertesten amerikanischen Künstlern der letzten 50 Jahre zählt. Sein Werk liegt zwischen modernem Realismus und Pop Art – mit Anklängen an die große Farbfeldmalerei der 1960er Jahre.

Alex Katz © Photo Kunst-Tour

Alex Katz, Cutout © Photo Kunst-Tour

Klüser präsentiert Werke aus den vergangenen Jahrzehnten: Portraits und Landschaften sowie eines seiner gelungenen Cutouts. Es handelt sich dabei um einen Hybrid aus Gemälde und Skulptur. Ein lebensgroßer Frauenkopf auf Aluminiumplatte gemalt, ausgeschnitten und auf eine Eisenstange montiert. Bereits 1959 entstand das erste Cutout. Weil ihm der Hintergrund nicht gelungen erschien, schnitt Katz die im Vordergrund dargestellte Figur einfach aus der Leinwand heraus, zog diese damals auf Sperrholz auf und montierte sie auf einen Sockel.

Alex Katz, Dark Brown Hat, 2002 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Alex Katz, Dark Brown Hat, 2002 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Charakteristisch für die Porträts von Katz sind überlebensgroße Brustbilder und Köpfe vor meist monochrom leuchtenden Hintergründen. Die Gestaltung ist vereinfacht, flächenhaft, fast schablonenartig und der Gesichtsausdruck auf das Wesentliche reduziert. Eine Art Markenzeichen sind glatt aufgetragene Farben und durch eine gewisse Flachheit die Betonung der Zweidimensionalität der Gemälde. Alex Katz: “Mir als Künstler geht es nicht um irgendeine Moral, nicht um Wahrheit, sondern um das Visuelle, die Oberfläche der Dinge.” Von vielen Arbeiten von Katz geht inhaltlich wie formal eine ausgesprochene Lässigkeit und Coolness aus.

Alex Katz, Sparkling Sea 1, 2007, Oil on canvas © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Alex Katz, Sparkling Sea 1, 2007 © VG Bild-Kunst Photo Mario Gastinger

Sehenswert, besonders in der Türkenstraße, sind Katz´ Landschaften, die japanischen Holzschnitten vergleichbar perfekte Augenblicke einfangen. Durch sensible Farbgebung und Lichtregie gelingen Katz hier trotz starker formaler Vereinfachung atmosphärisch dichte Bilder.

Letztes Jahr entwarf Katz übrigens als erster Künstler eine Kollektion für H&M, ein Auftrag, der ganz nach seinem Geschmack war. Er schwärmte: „Es ist aufregend, für H&M zu arbeiten und so Kunst zugänglicher für viele Leute zu machen.“ Die Ausstellungen in den beiden Galerien Klüser laufen bis zum 25. März diesen Jahres.

House of Wonders – und das schon sieben Wochen vor Weihnachten!

(DE) ´House   Wonders´ steht in farbigen Lettern auf T-Shirts, die hoch oben an einer Wäscheleine baumeln. Alle zehn Minuten startet eine Drohne und fügt das „of“ in eine Lücke dazwischen. Sie trägt ein gestricktes Oberteil und ähnelt eher einem possierlichen Haustierchen als einem technischen Gerät.

www-kunst-tour-de_aisslinger1Nach Konstantin Grcic ist nun der Berliner Produktdesigner Werner Aisslinger der Einladung der Neuen Sammlung nachgekommen, für die Paternoster-Halle in der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwerfen. Dazu verwandelte er diesen Ort in ein interaktives, sehr farbenfrohes Wunderhaus, das aus verschiedenen Modulen besteht.

Aisslinger zeigt veränderbare, ungewöhnlich kombinierte Wohn- und Arbeitssituationen. Die Verbindung aus Work und Wellness zum Beispiel funktioniert in einer „Farming-Cooking-Landscape“, einer Mischung aus Küche, Wohnzimmer und Gewächshaus. In einem Raum können Pflanzen geerntet, auf einer bodennahen Kochstelle zubereitet und zugleich nach Nomadenart darumherum sitzend genossen werden. Wenn man genauer darüber nachdenkt, eine Idee, die unser aller Wohn-Ess-Konzept revolutionieren könnte. Und ungemein gesellig ist es auch noch!

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Im Obergeschoss findet sich das „Chamber of Books“, eine modern interpretierte Bibliothek mit Regalen, die auch aus Büchern bestehen. Daneben liegt „My Jungle“, ein Rückzugsort voller Pflanzen, die besonders viel Sauerstoff produzieren. Zusammen mit speziellen Sitzmodulen und Schaukeln entsteht hier ein wahres Outdoor-Gefühl. Auch die beiden Paternoster der Halle wurden in die Wohnsituation einbezogen und präsentieren wie selbstverständlich Highlights aus Aisslingers Designerschatz.

Vor der Wohnsituation dann eine Art Garten, in dessen Beeten und einem Gewächshaus Möbel gezüchtet werden. Eine couchartige Hollywoodschaukel lädt zum Relaxen ein, während ein freundlich aussehender Gartenroboter – auch wieder mit Strickpullover – leise surrend die Gartenarbeit übernimmt.

Ergänzt wird die Ausstellung ab Ende November im Außenbereich des Museums. An der Südseite der Pinakothek wird einer von Aisslingers „Loft Cubes“ aufgebaut, eine temporäre minimalistische Wohneinheit für den nomadenhaften Lebensstil der Menschen im urbanen Umfeld. Wir sind gespannt…

Werner Aisslinger spielerisches und doch sehr funktionales Design erfreut die Sinne. Themen wie Upcycling (Aus Alt mach Neu), Self Feeding Systems (Objekte, die sich selbst regenerieren) und der Einsatz von erstaunlichen Materialien (z.B. Spitzennetze aus dem Erzgebirge, die mit Kunststoff stabil gemacht wurden) zeichnen sein Werk aus. Zu bewundern ist die Ausstellung bis zum 17.9.2017 –  gerne auch mit einer fachkundigen Führung von Kunst-Tour. Es lohnt sich!

Nackert im Englischen Garten

(CE) Eigentlich wollte ich gestern nach einer Führung durch Schwabing den frisch restaurierten Monopteros fotografieren. Die tz hatte berichtet, er sei endlich von seinen Gerüsten befreit, was sich dann als Teilwahrheit herausstellte. Betreten kann man ihn leider noch nicht, sondern nur um ihn herumgehen.

Gestern war wieder einer dieser strahlenden, Sonnen durchfluteten Herbsttage, in denen München als nördlichstes Stadt Italiens ihr besonderes Flair entfaltet. Alle sind aus den Ferien zurück und wer nicht gerade auf der Wiesn war, genoss den Park. Ich liebe den Englischen Garten, kenne ihn in und auswendig. Die Kilometer, die ich durch ihn gejoggt, spaziert oder mit dem Fahrrad gefahren bin in über zwanzig Jahren, sind nicht wenige. Jedes Jahr kommen ein paar Führungen, meist Radtouren, hinzu.

Als Werkstudent kannte ich einen Kommilitonen, der Ende der neunziger Jahre jedes sonnige Wochenende den Nackerten im Garten, insbesondere den Damen, nachstellte. Er kam aus Bolivien oder Paraguay, war neu in München und völlig aus dem Häuschen, gänzlich unbekleidete Frauen in der Natur zu erblicken. Nach dem Wochenende nervte er dann alle mit seinen peinlichen Berichten, welche Frauen mit welchen körperlichen Vorzügen er beobachtet hatte. Nun, Mario, so hieß der Spanner, wäre heute todunglücklich. Nackte Frauen sieht man eigentlich gar nicht mehr. Wie vielen ist mir aufgefallen, dass die Nackerten im Englischen Garten seit mindestens zehn Jahren zu einer aussterbenden Art gehören. Früher fuhren die Nudisten tatsächlich im Evakostüm mit der Tram zum Englischen Garten. Öffentliche Nacktheit war politisches Statement, Ausdruck von Freiheit und Unangepasstheit. Die Nackten waren eine Touristenattraktion. Noch heute wird in manchen Reiseführern auf diese Münchner Spezialität hingewiesen. Eine ausländische Reisegruppe berichtete mir kürzlich, im Englischen Garten keinen einzigen Nackten gesehen zu haben! Man war tief enttäuscht.

Auch gestern habe ich nur drei, vier einsame Nackerte ausmachen können in ihrem Schutzgebiet der Schönfeldwiese, der offiziellen FKK-Zone des Englischen Gartens gleich gegenüber vom Monopteros. Wie vieles in München ist auch dieser Lebensbereich bestimmten Regeln unterworfen. Ordnung muss in dieser schönen Stadt sein.

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Da ich die Kamera dabei hatte, habe ich so rücksichtsvoll wie möglich die Nudisten fotografiert. Es ist ein bisschen so wie auf einer Safari, wo man auf quasi freier Wildbahn exotische Geschöpfe vor die Kamera bekommt. Hah, das ist einer und da, weiter hinten. Bei meinen vielen Besuchen des schönsten Stadtparks der Welt bin ich zu folgender Typologie gekommen, die sich auch gestern wieder bestätigte: Typ 1 ist der nackte alte Mann, 65 plus, der ein einsames Fleckchen Sonne gefunden hat und inmitten der „Textiler“, wie es in den FKK-Foren heißt, sich möglichst unauffällig verhält. Typ 1 nenne ich den G´schamigen.

www-kunst-tour-de_nackert-im-englischnen-garten-2Typ 2 ist ebenfalls männlich, etwas jünger, 50 plus, meist gut gebaut und bestückt, komplett rasiert. Diese Art bewegt sich betont demonstrativ durch das Gelände, dreht permanent ihre Runden, liegt eigentlich nie und zeigt, was sie zu bieten hat. Typ 2 ist der Poser.

www-kunst-tour-de_nackert-im-englischnen-garten-3Die Freie Körperkultur in München hat ihre Wurzeln in der Schwabinger Bohème, in deren Kreis die ersten Nudisten sich ihrer Kleidung entledigten, allerdings an versteckten Orten an der Isar oder am Lago Maggiore. Im Englischen Garten wären Sie von der Polizei verhaftet worden. Nackt-sein bedeutete damals im Zeitalter einer galoppierenden Industrialisierung zurück zur ursprünglichen Natürlichkeit des Menschen zu finden und gegen das steife Bürgertum zu rebellieren. Hier eine Aufnahme der berühmten Schwabingerin Franziska zu Reventlow, eine „Sex-Ikone“ der Zeit wie 60 Jahre später Uschi Obermeier.

Was bedeutet das Nackt-sein im Englischen Garten heute? Ist es immer noch ein antibürgerliches Statements oder ganz im Gegenteil Ausdruck einer gewissen Spießigkeit? Ist es mittlerweile unkonventionell oder nicht doch konventionell, da längst geregelt und völlig gefahrlos in puncto sozialer Ächtung? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es beides.

Um zum Schluss auf die beiden Typen zurückzukommen, ich mag die G´schamigen gerne. Den Poser finde ich höchst interessant. Bei aller Zurschaustellung schottet er sich in der Regel ab, trägt dunkle Sonnenbrillen, hört oft Musik, schaut niemanden an. Er ignoriert seine Umwelt, will aber unbedingt von dieser gesehen und wahrgenommen werden. Ein Narzisst, der im Englischen Garten seine Bühne gefunden hat und die Schönfeldwiese platzhirschend als sein Revier verteidigt. Auch diese besonderen Exemplare sollten nicht aussterben. München wäre ohne sie ganz sicher ärmer.

Erste Eindrücke von der Ausstellung ´Inszeniert´

www.kunst-tour.de_inszeniert(CE) Heute startet die sehenswerte Schau ´Inszeniert – Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst´. Die Arbeiten aus der Sammlung Goetz sind bis zum 6.11.2016 in der Hypo-Kunsthalle ausgestellt. Hier ein kurzes Video mit Eindrücken von der Pressevorbesichtigung: Youtube (Kunst-Tour Kanal)

Kunst für Siemens

(CE) Bei der kürzlich eröffneten neuen Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz im Herzen von München wurde in Sachen Kunst am bzw. im Bau nicht gespart. Zwei wirklich große Namen bereichern mit ihren Werken die Konzernzentrale. Da ist zum einen die Monumentalskulptur des US-amerikanischen Stararchitekten und Bildhauers Daniel Libeskind The Wings am Oskar-von-Miller-Ring.

www.kunst-tour.de_siemens1Drei gebürstete Aluminium-Elemente winden sich nach oben und verbinden sich in zehn Meter Höhe zu zwei weit ausladenden Flügeln. Die in sich gedrehten, schalenhaften Seiten lassen an Tulpenblätter denken, die hochgereckten Schwingen an die der berühmten Nike von Samothrake im Louvre. Eine sehr elegante, absolut gelungene Arbeit, die typische Formen der Architektur Libeskind wiederholt. In die Oberfläche der silbrig schimmernden Kunstinstallation sind übrigens tausende LED-Lampen eingelassen, welche die Skulptur nachts farbig leuchten lassen.

Zum anderen wartet die neue Zentrale mit einer imposanten Großskulptur von Georg Baselitz auf. Jene befindet sich im öffentlich zugänglichen Atrium des Neubaus von Henning Larsen Architects (Kopenhagen), welche 2011 den Wettbewerb klar für sich entschieden. Baselitz´ Bronze trägt den Titel Schwesterngruppe. Sie war in der großen Baselitz-Ausstellung im Haus der Kunst 2014/15 bereits in München zu sehen. Da hatte sie noch den provokanten Titel BDM-Gruppe. Tatsächlich handelt es sich, so Baselitz damals, um eine Erinnerung an seine Schwester mit zwei Freundinnnen, alle drei in BDM-Uniform, wie sie untergehakt durchs Dorf schritten.

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Man darf die Provokationen des Georg Baselitz nicht zu ernst nehmen. Tatsächlich deutet nichts an der Gruppe auf die dunklen zwölf Jahre deutscher Geschichte. Zentral ist das Unterhaken der drei Damen auf hohen Pumps. Diese Bildidee hat es in der Kunstgeschichte, etwa beim Motiv der Drei Grazien, so noch nicht gegeben hat. Ich bin ein großer Baselitz-Fan. Mich hat die Skulptur schon im Haus der Kunst in ihrer großen Ausdruckskraft und herben Kettensägen-Optik begeistert. Das Unterhaken und gemeinsame Voranschreiten ist sicher kein schlechtes Motiv für einen Weltkonzern wie Siemens.

Verzaubertes Mittelalter: Christoph Brech im Bayerischen Nationalmuseum

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Foto: Bayerisches Nationalmuseum

(DE)  Der international bekannte Foto- und Videokünstler Christoph Brech präsentiert im Bayerischen Nationalmuseum eine äußerst sehenswerte Auswahl seiner Arbeiten. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, vom Künstler selbst durch dessen neue Ausstellung geführt zu werden und war begeistert. Unter dem Titel ÜBERLEBEN nimmt Brech unmittelbaren Bezug auf die Sammlung, erweckt die Museumsexponate zu neuem Leben, verfremdet sie und irritiert die Sinne. Seine etwa 20 Video-, Klang- und Rauminstallationen greifen ikonografische Themen der meist mittelalterlichen Kunstwerke auf und interpretieren diese auf überraschende Weise. Einige der Arbeiten sind für die Ausstellung neu entstanden, andere werden zum ersten Mal in München gezeigt.

www.kunst-tour.de_christoph brech2So wird in der Sammlung mittelalterlicher Glasmalerei Brechs Video Paradiso auf eine Säule in der Raummitte projiziert. Dabei ergeben sich fließende Farbkompositionen, die zusammen mit einem Klangteppich der Musik von Giovanni di Palestrina verzaubern. An anderer Stelle sieht man über einer mittelalterlichen Bettstatt goldene Schwäne langsam eine schwarze Wand entlang ziehen, untermalt von einem Klangemisch von Wagnerscher Musik und Berliner Straßengeräuschen. Das Ganze löst eine traumhafte Stimmung aus. Im Rittersaal (siehe Foto mit Künstler) steigen metallisch glänzende Heliumballons von den eisernen Handschuhen der Rüstungen auf und scheinen diese regelrecht zu entwaffnen. Es entwickelt sich ein poetisches Spiel der Gegensätze, Härte der Rüstungen versus Verletzlichkeit der Ballons.

Arbeiten des Künstlers, der an der Münchner Kunstakademie studiert hat, werden in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien gezeigt. Schwerpunkte legt Brech auf die Themen Zeit und Vergänglichkeit, An- und Abwesenheit, Erinnerung sowie auf körperliche, geistige und spirituelle Übergänge. Ein wichtiges Thema seiner Arbeiten ist immer wieder die Musik. Brechs Arbeiten zeichnen sich durch große Sinnlichkeit sowie durch subtile Verweise auf die Kunstgeschichte und Hintergründiges aus.

Die Ausstellung im Nationalmuseum wurde verlängert und dauert noch bis zum 4.9. – am besten zu genießen mit einer fachkundigen Führung durch Kunst-Tour! Kooperationspartner der Ausstellung ist die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst,  diese zeigt im gleichen Zeitraum weitere Arbeiten von Christoph Brech in der Galerie der DG, Türkenstraße 16, 80333 München.