Kultur pur: 3. Kunstareal-Fest

(DE) Ein Highlight im Münchens Kulturkalender ist das 3. Kunstareal-Fest, das am kommenden Wochenende 24./25. Juni gefeiert wird. Bei freiem Eintritt finden über 130 Veranstaltungen an 32 Orten statt, darunter Workshops, Vorträge, Führungen, Konzerte und thematische Spaziergänge. Das diesjährige Motto lautet „Denkanstöße. Das Kunstareal München“.

Viele Angebote bieten die Möglichkeit, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen oder selbst kreativ und damit Teil des Programms zu werden. Gezielt an Kinder und Jugendliche richtet sich das „Junge Programm“. Diese haben die Qual der Wahl und können aus mehr als 30 Angeboten auswählen, darunter Comicworkshop, Holzwerkstatt, Kunstauskunft von Jugendlichen oder Blicke hinter die Kulissen. Das gesamte Programm des Kunstareal-Fest gibt es unter www.kunstareal.de

Divine X Design in der Glyptothek

(CE) Studierende der Akademie für Mode und Design München haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das den Besuch der Glyptothek und Antikensammlung mehr als lohnt. Studieninhalt über zwei Jahrgänge war es, antike Kleidung und zeitgenössisches Modedesign in Dialog treten zu lassen. Die eine Gruppe der Studierenden hatte die Aufgabe, sich an den raffinierten Faltenwürfen antiker Kleider zu orientieren, die andere an den Silhouetten antiker Vasen oder Elementen griechischer Mythologie. Herausgekommen sind faszinierende Kleidungsstücke, die Seite an Seite mit den als Inspiration dienenden griechischen Kunstwerken bis zum 8. Oktober ausgestellt werden.

Bei jedem Besuch der Glyptothek fasziniert mich die Schönheit der antiken Kunst. Hinzukommt die harmonische Architektur der Museums von Leo von Klenze, welche einen perfekten Rahmen bildet. Mit den Kleidern der Ausstellung ´Divine X Design´ kommt eine dritte ästhetische Ebene hinzu, die in der Tradition der Sonderausstellungen der Glyptothek auf die Antike Bezug nimmt, sie variiert und in das Heute überführt. Sehenswert. Einige Bilder finden Sie hier.

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House of Wonders – und das schon sieben Wochen vor Weihnachten!

(DE) ´House   Wonders´ steht in farbigen Lettern auf T-Shirts, die hoch oben an einer Wäscheleine baumeln. Alle zehn Minuten startet eine Drohne und fügt das „of“ in eine Lücke dazwischen. Sie trägt ein gestricktes Oberteil und ähnelt eher einem possierlichen Haustierchen als einem technischen Gerät.

www-kunst-tour-de_aisslinger1Nach Konstantin Grcic ist nun der Berliner Produktdesigner Werner Aisslinger der Einladung der Neuen Sammlung nachgekommen, für die Paternoster-Halle in der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwerfen. Dazu verwandelte er diesen Ort in ein interaktives, sehr farbenfrohes Wunderhaus, das aus verschiedenen Modulen besteht.

Aisslinger zeigt veränderbare, ungewöhnlich kombinierte Wohn- und Arbeitssituationen. Die Verbindung aus Work und Wellness zum Beispiel funktioniert in einer „Farming-Cooking-Landscape“, einer Mischung aus Küche, Wohnzimmer und Gewächshaus. In einem Raum können Pflanzen geerntet, auf einer bodennahen Kochstelle zubereitet und zugleich nach Nomadenart darumherum sitzend genossen werden. Wenn man genauer darüber nachdenkt, eine Idee, die unser aller Wohn-Ess-Konzept revolutionieren könnte. Und ungemein gesellig ist es auch noch!

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Werner Aisslinger vor seinem House of Wonders

Im Obergeschoss findet sich das „Chamber of Books“, eine modern interpretierte Bibliothek mit Regalen, die auch aus Büchern bestehen. Daneben liegt „My Jungle“, ein Rückzugsort voller Pflanzen, die besonders viel Sauerstoff produzieren. Zusammen mit speziellen Sitzmodulen und Schaukeln entsteht hier ein wahres Outdoor-Gefühl. Auch die beiden Paternoster der Halle wurden in die Wohnsituation einbezogen und präsentieren wie selbstverständlich Highlights aus Aisslingers Designerschatz.

Vor der Wohnsituation dann eine Art Garten, in dessen Beeten und einem Gewächshaus Möbel gezüchtet werden. Eine couchartige Hollywoodschaukel lädt zum Relaxen ein, während ein freundlich aussehender Gartenroboter – auch wieder mit Strickpullover – leise surrend die Gartenarbeit übernimmt.

Ergänzt wird die Ausstellung ab Ende November im Außenbereich des Museums. An der Südseite der Pinakothek wird einer von Aisslingers „Loft Cubes“ aufgebaut, eine temporäre minimalistische Wohneinheit für den nomadenhaften Lebensstil der Menschen im urbanen Umfeld. Wir sind gespannt…

Werner Aisslinger spielerisches und doch sehr funktionales Design erfreut die Sinne. Themen wie Upcycling (Aus Alt mach Neu), Self Feeding Systems (Objekte, die sich selbst regenerieren) und der Einsatz von erstaunlichen Materialien (z.B. Spitzennetze aus dem Erzgebirge, die mit Kunststoff stabil gemacht wurden) zeichnen sein Werk aus. Zu bewundern ist die Ausstellung bis zum 17.9.2017 –  gerne auch mit einer fachkundigen Führung von Kunst-Tour. Es lohnt sich!

Erste Eindrücke von der Ausstellung ´Inszeniert´

www.kunst-tour.de_inszeniert(CE) Heute startet die sehenswerte Schau ´Inszeniert – Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst´. Die Arbeiten aus der Sammlung Goetz sind bis zum 6.11.2016 in der Hypo-Kunsthalle ausgestellt. Hier ein kurzes Video mit Eindrücken von der Pressevorbesichtigung: Youtube (Kunst-Tour Kanal)

Verzaubertes Mittelalter: Christoph Brech im Bayerischen Nationalmuseum

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Foto: Bayerisches Nationalmuseum

(DE)  Der international bekannte Foto- und Videokünstler Christoph Brech präsentiert im Bayerischen Nationalmuseum eine äußerst sehenswerte Auswahl seiner Arbeiten. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, vom Künstler selbst durch dessen neue Ausstellung geführt zu werden und war begeistert. Unter dem Titel ÜBERLEBEN nimmt Brech unmittelbaren Bezug auf die Sammlung, erweckt die Museumsexponate zu neuem Leben, verfremdet sie und irritiert die Sinne. Seine etwa 20 Video-, Klang- und Rauminstallationen greifen ikonografische Themen der meist mittelalterlichen Kunstwerke auf und interpretieren diese auf überraschende Weise. Einige der Arbeiten sind für die Ausstellung neu entstanden, andere werden zum ersten Mal in München gezeigt.

www.kunst-tour.de_christoph brech2So wird in der Sammlung mittelalterlicher Glasmalerei Brechs Video Paradiso auf eine Säule in der Raummitte projiziert. Dabei ergeben sich fließende Farbkompositionen, die zusammen mit einem Klangteppich der Musik von Giovanni di Palestrina verzaubern. An anderer Stelle sieht man über einer mittelalterlichen Bettstatt goldene Schwäne langsam eine schwarze Wand entlang ziehen, untermalt von einem Klangemisch von Wagnerscher Musik und Berliner Straßengeräuschen. Das Ganze löst eine traumhafte Stimmung aus. Im Rittersaal (siehe Foto mit Künstler) steigen metallisch glänzende Heliumballons von den eisernen Handschuhen der Rüstungen auf und scheinen diese regelrecht zu entwaffnen. Es entwickelt sich ein poetisches Spiel der Gegensätze, Härte der Rüstungen versus Verletzlichkeit der Ballons.

Arbeiten des Künstlers, der an der Münchner Kunstakademie studiert hat, werden in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien gezeigt. Schwerpunkte legt Brech auf die Themen Zeit und Vergänglichkeit, An- und Abwesenheit, Erinnerung sowie auf körperliche, geistige und spirituelle Übergänge. Ein wichtiges Thema seiner Arbeiten ist immer wieder die Musik. Brechs Arbeiten zeichnen sich durch große Sinnlichkeit sowie durch subtile Verweise auf die Kunstgeschichte und Hintergründiges aus.

Die Ausstellung im Nationalmuseum wurde verlängert und dauert noch bis zum 4.9. – am besten zu genießen mit einer fachkundigen Führung durch Kunst-Tour! Kooperationspartner der Ausstellung ist die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst,  diese zeigt im gleichen Zeitraum weitere Arbeiten von Christoph Brech in der Galerie der DG, Türkenstraße 16, 80333 München.

Sorolla in der Kunsthalle München

(CE) Die Kunsthalle München der Hypo-Kulturstiftung wartet mit einer interessanten Ausstellung eines hierzulande weithin unbekannten spanischen Impressionisten auf: Joaquím Sorolla, ausgesprochen Soroja. In Spanien gilt Sorolla (1863-1923) als Großmeister moderner Kunst und erfreut sich allergrößter Beliebtheit. Die 2009 vom Prado ausgerichtete Retrospektive des Malers war die erfolgreichste in der langen Geschichte des Museums. Nun kann sich die deutsche Öffentlichkeit ein umfassendes Bild des iberischen Manet machen. Es ist tatsächlich die erste umfangreiche Retrospektive des Spaniers in Deutschland. Insgesamt 120 seiner Werke sind in der Hypo-Kunsthalle zu bestaunen.

Unser erster Eindruck: technisch brilliant, lebensfroh, menschlich warm, interessante Blickwinkel, eindringliche, lichtdurchflutete Farbigkeit. Ganz besonders stark fanden wir Sorollas Strand- und Meeresbilder, ein Triumph von Licht und Farbe, wie es im Katalog treffend heißt. Sorolla ist ein Künstler in der großen Reihe der europäischen Impressionisten, der es definitiv verdient hat, gesehen zu werden. Eine echte Entdeckung. Hier erste Impressionen seiner Gemälde von der heutigen Pressekonferenz (zum Vergrößern Bilder bitte anklicken).

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KUNST-TOUR
Individuelle Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kunstreisen in München und darüber hinaus

Painting 2.0 – Malerei in unserer Zeit

(CE) Diese Ausstellung stellt die richtigen Fragen: Wie hat sich die Malerei seit 1960 in der westlichen Konsum- und Informationsgesellschaft entwickelt, deren Kennzeichen Spaß, Werbung und Spektakel sind? Wie reflektiert sie die veränderten Vorstellungen vom menschlichen Körper, ja vom Menschen selbst, ausgelöst durch die Bildflut der Werbung und neuen Medien? Wie hat sich die altehrwürdige Kunstgattung gegenüber Film, Video, Performance, Environment und Mixed Media Installation behauptet?

Immer wieder tot gesagt, hat die Malerei ihre Bedeutung als wichtigste Gattung der Bildenden Kunst nie verloren, davon zeugen sämtliche Kunstrankings der letzten 50 Jahre. Das Ende der Malerei aus der Sicht mancher Kunstkritiker und Theoretiker hatte nie viel mit der Realität und den Vorstellungen des Kunstpublikums, der Sammler und der Öffentlichkeit zu tun.

Die Ausstellung im Museum Brandhorst, die bis auf den Lepanto-Saal alle drei Ebenen des Hauses bespielt, ist im wörtlichen Sinne imposant. Ihre Größe und ihr Spektrum mutet den Besuchern einiges zu. Es werden keine dünnen Bretter gebohrt. Tatsächlich haben die Macher den Anspruch, die Entwicklung der westlichen Kunst seit 1960 darzustellen und die Sicht auf eben diese durch ihre Ausstellung zu verändern.

Die Grundthese lautet, dass die Malerei sich inhaltlich wie formal auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen der Moderne eingelassen hat. Painting 2.0 macht deutlich, dass Malerei schon lange nicht mehr Öl oder Akryl auf Leinwand bedeutet. Im Sinne eines erweiterten Malereibegriffs werden Materialien wie beispielsweise Bauschaum, Plastikfolie oder Neonröhren eingesetzt. Es werden neue Verfahren wie Siebdruck, Décollage, Graffiti oder Tintenstrahldruck verwendet. Und auch die Grenze zu anderen Gattungen wie der Plastik, der Installation, der Fotografie und des Videos ist von den Malerinnen und Malern eingerissen worden. Alle diese Entwicklungen, der Einfallsreichtum der Malerei, sind in der Ausstellung überreich und spannend zu verfolgen.

Und so ist der Grundthese der Ausstellung Recht zu geben: Die Malerei war nie tot. In ungebrochener Vitalität hat sie gesellschaftliche, technische und innerkünstlerische Entwicklungen nicht nur kommentiert und thematisiert, sondern sie wie ein Vampir eingesogen, sich zu Nutze gemacht und einverleibt.

Painting 2.0 wartet mit großen Namen und Werken auf: Baselitz, Beuys, Immendorff, Klein, Lassnig, Polke, Rauschenberg, Richter, Twombly und Warhol. Absolut gewinnbringend ist es, sich den Arbeiten nicht ganz so bekannter Malerinnen und Maler zu widmen. Persönlich haben mir Werke besonders von Monika Baer, Carroll Dunham, KAYA (Debo Eilers & Kerstin Brätsch), Isa Genzken, Albert Oehlen und David Reed gefallen. Es gibt wahrlich viel zu entdecken. Wen die Malerei unserer Zeit interessiert, ja ganz generell, wer Malerei liebt, muss die Ausstellung Painting 2.0 gesehen haben.

Klee & Kandinsky – Ein Fest der Freundschaft!

(DE) Endlich ist es so weit: die lang erwartete Ausstellung ´Klee & Kandinsky: Nachbarn, Freunde, Konkurrenten´ im Kunstbau des Lenbachhauses hat letzte Woche eröffnet. Über dreißig Jahre waren die beiden Ausnahmekünstler in wechselvollen Zeiten miteinander verbunden. So unglaublich es klingt, es ist das erste Mal, dass die beiden Künstler derart umfassend gegenübergestellt werden. Hochkarätige Leihgaben u.a. aus dem Guggenheim Museum New York und dem Centre George Pompidou Paris bereichern die fulminante Schau.

Mit über 190 Werken spannt die mit dem Klee Zentrum Bern erarbeitete Ausstellung einen großen Bogen: von beider Anfänge und der Zeit des Blauen Reiters in München zu den gemeinsamen Bauhausjahren in Weimar und Dessau bis hin zum eindrucksvollen Spätwerk Kandinskys in Paris und Klees in Bern. Auf absolut sehenswerte Weise verdeutlicht die Ausstellung die künstlerischen und menschlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, das wechselnde Kräfteverhältnis und die gegenseitige Inspiration zwischen beiden. Gemeinsam spornten sich die Nachbarn, Freunde und Konkurrenten zu immer wieder neuen Ausdrucksformen an.

Lenbachhaus München, Kunstbau. Bis zum 26. Januar 2016.
Kartenreservierung empfohlen über www.lenbachhaus.de/tickets

 

Bayerisches Nationalmuseum: Dornröschen erwacht

(DE) Vor ein paar Tagen feierte der dem Barock und Rokoko gewidmete Westflügel des Bayerischen Nationalmuseums nach jahrelanger Sanierung seine glanzvolle Wiedereröffnung. Dort werden nun mehr als 600 Exponate, Skulpturen, Möbel, Gemälde, Porzellanfiguren, Prunkwaffen und vieles mehr aus dem 17. und 18. Jahrhundert in neuem Licht präsentiert. Sie zeugen von den Kunstvorlieben und dem Geschmack der bayerischen Kurfürsten.

Besondere Highlights sind der sogenannte Gartensaal, der sich den Facetten der barocken Gartenkunst widmet, außerdem das sogenannte Landshuter Zimmer, dessen aufwändige Gestaltung die Wohnwelt des Adels im 18. Jahrhundert erlebbar macht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden schließlich die lebensgroßen Skulpturen von Johann Baptist Straub und Ignaz Günther.

Besondere Mühe gab man sich bei der Beleuchtung, für die ein französischer Lichtdesigner engagiert wurde. Er sorgte im komplexen Zusammenspiel von Kreativität und modernster Technik dafür, dass die Objekte in den Vitrinien, die minimalistischen Theaterbühnen gleichen, individuell ausgeleuchtet werden. Jeweils bis zu 250 winzige LEDs wurden dafür punktgenau auf interessante Stellen der Kunstwerke gerichtet und lassen einen als Betrachter Details sehen, die man sonst sicher nicht entdeckt hätte – ein ganz besonderes Erlebnis!

Auch in der Kunstvermittlung setzt das Museum nun auf Multimedia, so ermöglichen Medienstationen mit Touchscreens spannende Blicke, beispielsweise hinter verschlossene Schranktürchen. Begeben Sie sich demnächst einmal auf eine Reise durch die bayerische Kunst- und Kulturgeschichte, gerne mit einer fachkundigen Führung durch Kunst-Tour.

Im Anschluss kann man im schön gestalteten begrünten Innenhof, der einem französischen Schlossgarten nachempfunden ist, bei einer Tasse Kaffee oder anderen Erfrischungen die Seele baumeln lassen. Bilder der alten und neuen Räumlichkeiten finden Sie auf unserer Kunst-Tour Website.

Keith Haring – Gegen den Strich

(DE) Ganz ehrlich, so wahnsinnig viel habe ich nicht erwartet, als ich zur Pressekonferenz der Ausstellung ´Keith Haring – Gegen den Strich´ in die Hypo Kunsthalle ging. Ist man doch seit den 80er-Jahren von den Graffiti-Strichfiguren Harings auf Buttons, T- Shirts, Bettwäsche und allen anderen erdenklichen Merchandising Produkten regelrecht überflutet worden. Doch dann stand ich staunend und mit leichter Gänsehaut vor den teilweise riesengroßen Originalwerken mit den poppig leuchtenden, wie frisch aufgetragen wirkenden Farben.

Ganz besonders faszinierte mich neben dem ausgeprägten Gefühl für Farbe und Form der feste Strich dieses Künstlers, der seine Werke ganz ohne Vorzeichnungen anfertigte. Harings aus der Urban Street Culture kommender Stil prägt unsere Alltagsästhetik bis heute, beispielsweise bei der Gestaltung von Apps oder dem Design von Smartphone-Hüllen. Hinter die dekorative Oberfläche der Werke allerdings geblickt, entdeckt man Themen wie soziale Gerechtigkeit, Rassismus, Kapitalismuskritik und natürlich Aids. Keith Haring war selbst von der Immunschwächekrankheit betroffen, an deren Folgen er mit erst 31 Jahren starb. Er schuf eine heitere Kunst mit häufig ernsten Inhalten. Auf diese in Ausstellungen bisher wenig thematisierten politischen und sozialkritischen Aspekten liegt der Fokus der Retrospektive in München. Tatsächlich war Haring einer der politischsten US-Künstler seiner Zeit, ohne auf plumpe Propaganda zu bauen. Für ihn galt: „Ignorance is fear and silence is death.“

Die Ausstellung präsentiert Harings Werk in einer überraschenden Vielfalt unterschiedlicher Materialien: von übermannshohen Holz-Totems zu Bildern auf Plastikplanen bis hin zu antikischen Vasen. Sogar einige der ganz frühen New Yorker Subway-Zeichnungen sind zu sehen, mit denen Haring schwarz überklebte, abgelaufene Werbeplakate illegal schmückte, und daraufhin sogar mehrmals verhaftet wurde. Mit der Zeit erreichte er mit seinen über Tausend in den Jahren 1980 bis 1985 geschaffenen Kreidezeichnungen jedoch regelrecht Kultstatus, so dass es Fans gab, die die Arbeiten inklusive der Rahmen abmontierten und Cops, die sich Autogramme geben ließen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30.8.