Schnappschuss: Ammersee im Herbst

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(CE) Der Ammersee hat etwas Beruhigendes. Friedliches. Weiches. Nichts, was mit großem Hallo daherkommt. Nichts Auftrumphendes. Das macht ihn, glaube ich, so liebenswert. Der leicht schwermütige Charakter von Landschaft und See kommt besonders im Herbst zur Geltung. Der Ammersee ist ein Herbst-See.

Föhntage wie heute lassen an den Sommer denken, doch die Abende sind kurz und schon empfindlich kalt. Noch liegen einige Segelboote an ihren Ankerplätzen und bilden schöne Vertikalen, bevor auch sie eingeholt werden und auf den Wiesen der Segelclubs überwintern.

Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Georg Trackl

Schnappschuss: Herrsching im Herbst

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(CE) Herrsching am Ostufer des Ammersees rühmt sich, die größte Seepromenade Deutschlands zu besitzen. Wie auch immer dies gemessen wird, der Blick über den See liegt für mich auf Platz eins aller Seepromenaden. Über der Südspitze des Ammersees erhebt sich majestätisch das Zugspitzmassiv. Rechts davon erstreckt sich – wie hier im Bildhintergrund zu sehen – das Ammergebirge weit nach Westen. Die Herrschinger Bucht bildet die breiteste Stelle des Ammersees. Über dem Westufer – genau gegenüber der Promenade – geht jeden Abend die Sonne unter. Die längsten Sommerabende am Ammersee gibt es in Herrsching.

Nun ist es Herbst geworden, kurz und kühl die Abende. Mit ein wenig Wehmut denkt man an die schönen Sommermonate. Der Herbst hat mit seinem besonderen Licht und seinen warmen Farben einen besonderen Charme. Er vermittelt ein wohlige Melancholie und besitzt eine gewisse Tiefe. Herbst und Winter können uns trösten. Dunkelheit und Kälte gehören eben dazu, gehen aber ganz sicher irgendwann vorüber. Frühling und Sommer dagegen sollten uns mahnen.

Herrsching ist übrigens mit der S8 vom Marienplatz in ca. 45 Minuten zu erreichen. Der Ort ist der klassische Ausgangspunkt, um den Heiligen Berg, sprich Kloster Andechs, zu erklimmen, oder der ideale Endpunkt, eine Kunst-Tour durch das bayerische Oberland an seiner Seepromenade ausklingen zu lassen.

Bayerisches Nationalmuseum: Dornröschen erwacht

(DE) Vor ein paar Tagen feierte der dem Barock und Rokoko gewidmete Westflügel des Bayerischen Nationalmuseums nach jahrelanger Sanierung seine glanzvolle Wiedereröffnung. Dort werden nun mehr als 600 Exponate, Skulpturen, Möbel, Gemälde, Porzellanfiguren, Prunkwaffen und vieles mehr aus dem 17. und 18. Jahrhundert in neuem Licht präsentiert. Sie zeugen von den Kunstvorlieben und dem Geschmack der bayerischen Kurfürsten.

Besondere Highlights sind der sogenannte Gartensaal, der sich den Facetten der barocken Gartenkunst widmet, außerdem das sogenannte Landshuter Zimmer, dessen aufwändige Gestaltung die Wohnwelt des Adels im 18. Jahrhundert erlebbar macht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden schließlich die lebensgroßen Skulpturen von Johann Baptist Straub und Ignaz Günther.

Besondere Mühe gab man sich bei der Beleuchtung, für die ein französischer Lichtdesigner engagiert wurde. Er sorgte im komplexen Zusammenspiel von Kreativität und modernster Technik dafür, dass die Objekte in den Vitrinien, die minimalistischen Theaterbühnen gleichen, individuell ausgeleuchtet werden. Jeweils bis zu 250 winzige LEDs wurden dafür punktgenau auf interessante Stellen der Kunstwerke gerichtet und lassen einen als Betrachter Details sehen, die man sonst sicher nicht entdeckt hätte – ein ganz besonderes Erlebnis!

Auch in der Kunstvermittlung setzt das Museum nun auf Multimedia, so ermöglichen Medienstationen mit Touchscreens spannende Blicke, beispielsweise hinter verschlossene Schranktürchen. Begeben Sie sich demnächst einmal auf eine Reise durch die bayerische Kunst- und Kulturgeschichte, gerne mit einer fachkundigen Führung durch Kunst-Tour.

Im Anschluss kann man im schön gestalteten begrünten Innenhof, der einem französischen Schlossgarten nachempfunden ist, bei einer Tasse Kaffee oder anderen Erfrischungen die Seele baumeln lassen. Bilder der alten und neuen Räumlichkeiten finden Sie auf unserer Kunst-Tour Website.

Erste Eindrücke der Ausstellung ´Mit Leib und Seele´

(CE) Unter dem Titel ´Mit Leib und Seele – Münchner Rokoko von Asam bis Günther´ hat die Hypo-Kunsthalle in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Freising eine wahrhaft großartige Schau auf die Beine gestellt. Erstmals seit 30 Jahren ist in München derart umfangreich und überwältigend die goldene Epoche bayerischer Kunst wieder zu sehen. Das bayerische Rokoko, diese besondere Blüte der Künste von 1720 bis 1780, prägt bis heute München und besonders Oberbayern, es gibt seinen Schlössern, Rathäusern, Kirchen und Klöster das typisch bayerische Gesicht. Die Bedeutung dieser Zeit für Bayern ist künstlerisch, kulturell, mentalitäts- und religionsgeschichtlich gar nicht hoch genug zu veranschlagen.

Welch phantastische Bildhauer, Maler, Stuckateure, Architekten und Gesamtkünstler hat Bayern im 18 Jahrhundert nicht angezogen oder selbst hervorgebracht: Die Gebrüder Asam, Johann Baptist Straub, Franz Aton Bustelli, Francois Cuvilliés, Ignaz Günther, Roman Anton Boos und andere. Sie alle sind mit Ausnahme (leider) von Cuvilliés in der Ausstellung mit Hauptwerken in breiter Zahl vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf der sakralen Kunst, welche die dominante Strömung zumindest in Bayern bildete. So beschäftigen sich Ausstellung und Katalog auch mit der Frömmigkeit, den höfischen und bürgerlichen Wertvorstellungen der Zeit und weiten den Blick bewusst aus – weg von einer rein formal kunsthistorischen, akademisch verengten Perspektive, wie wir es in der Vergangenheit oft bei anderen Ausstellungen ähnlicher Thematik erlebt haben.

Die Fotos unten zeigen erste Eindrücke der in den Räumen der Hypo-Kunsthalle großartig inszenierten Schau. In solcher Zahl Meisterwerke von Asam, Straub oder Günther versammelt zu sehen ist beeindruckend. Das Charakteristische der verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten und ihrer Werke wird so unmittelbar deutlich. Auch liegt in ein besonderer Reiz in der Herangehensweise der Macher, sich auf die einzelne Skulptur zu konzentrieren. Einerseits löst dies die Exponate aus dem Zusammenhang des Gesamtkunstwerks etwa einer Kirchenausstattung zwangsläufig, andererseits kommt so die einzigartige Qualität der einzelnen Kunstwerke noch stärker zum Vorschein. So konzentriert und in dieser Breits jedenfalls habe ich an einem Ort das bayerische Rokoko noch nie gesehen (und genossen).

 

 

Es tut sich was im Buchheim Museum

(CE) Günter Behnisch, der Architekt des Münchner Oympiageländes von 1972, hat 2001 für die Sammlung Buchheim ein wunderbares Gebäude geschaffen. Mit vielen Balkonen terrassenförmig zum Starnberger See hin angelegt, bietet es herrliche Ausblicke auf die wunderbare Umgebung. Das Ehepaar Buchheim hat alle Balkone schließen lassen, viele große Fenster verhängt oder sogar brutal Trennwände davor setzen lassen. Auch die Oberlichter, die für optimales Tageslicht für die berühmte Expressionisten-Sammlung sorgen, wurden verdunkelt. Seit langem sorgt Kunstlicht in den großen Galeriesälen für die Beleuchtung, ein Unding.

Lothar-Günter Buchheim, der exzentrische und umstrittene Sammler, starb 2007. Seine Witwe Diethild, die bis zum Schluss das Sagen hatte, folgte ihm mit 91-jährig im März dieses Jahres. Mit dem neuen Direktor Daniel J. Schreiber tut sich endlich was im Buchheim Museum. Wo früher ´Betreten Verboten´ stand, steht heute ´Öffne mich!´. Gemeint sind die Balkone, die wieder betretbar sind. Bunte Liegestühle laden überall ein, sich hinzusetzen und die Landschaft zu genießen. Das generelle Fotografierverbot hat der neue Direktor aufgehoben, ohne Blitz darf man nun die tolle Architektur ablichten.

Wie mir scheint, hat sich der gesamte Geist im Museum positiv geändert. Früher hatte ich immer das Gefühl, argwöhnisch kontrolliert zu werden, nicht immer war das Personal freundlich. Die abgedunkelten Räume, der Museumsshop, das angelockte Publikum, die gesamte Atmosphäre ließ eine us-amerikanische Teilnehmerin bei einer meiner Führungen mich einmal fragen: „Is this museum a sanatorium?“ – „Not quite“, war, glaube ich, meine Antwort damals.

Auch scheint mir die neue Leitung stärkere moderne Akzente zu setzen, wie die eindrucksvolle Arbeit von Dominique Zinkpè ´Taxi Luxembour´ von 2005 (Bild) zeigt. Der bis vor ungefähr zehn Jahren in Marseille als Taxi eingesetzte Peugeot von 1960 ist mit Taschen und Krempel über und über beladen. Auf der hinteren Ladefläche befinden sich fest verschnürte, in Plastikfolie gewickelte Gipsfiguren, die an afrikanische Migranten denken lassen. Eine Arbeit, die unglaublich gut in die Buchheim-Sammlung passt, welche ja (neben den bekannten Expressionisten) mit großartiger naiver Kunst aufwartet.

Es tut sich also was im Buchheim Museum. Einen Ausflug ist es in jedem Fall wert. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass endlich die Oberlichter wieder geöffnet, die Trennwände vor den Fenstern beseitigt und die Gardinen abgehängt werden, so dass noch mehr Sonnenlicht in die Räume fluten kann. Es muss nicht alles zur gleichen Zeit ausgestellt werden! Less is more. Auch darf noch mehr die Avantgarde und Gegenwartskunst in das „Museum der Phantasie“ einziehen. Es täte dem Haus gut.

Trip to Neuburg

(CE) Am Wochenende haben wir einen Ausflug nach Neuburg an der Donau unternommen. Die kleine Stadt in Oberbayern, ca. 50 km westlich von Ingolstadt gelegen, hat eine große Geschichte.1505 wurde sie die Residenzstadt des Herzogtums Pfalz-Neuburg. Pfalzgraf Ottheinrich ließ sich ein großes Schloss im Stil der Renaissance bauen, das heute von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als Filialgalerie ´Flämische Barockmalerei´ genutzt wird. Wer Jan Brueghel, Rubens, van Dyck und Jordaens liebt, sollte nach Neuburg fahren. Uns haben neben van Dyck besonders die Porträts Barthel Behams sehr gefallen. Kein Flame, sondern Nürnberger, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts vor allem für den bayerischen Hof in München tätig war. Den alten braunen 50-Mark-Schein, wer ihn noch kennt, zierte ein Männerbildnis von Beham.

In Neuburg ist vor allem die historische Oberstadt sehenswert, die vom Krieg weitgehend verschont geblieben ist. Gesehen haben sollte man auch die Hofkirche ´Zu Unserer Lieben Frau´, ein schöner Bau der Spätrenaissance. Für den Hochaltar ließ der spätere Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm den großen Meister Peter Paul Rubens ein riesiges Gemälde malen: ´Das jüngste Gericht´. Die vielen Nackten im Bild waren den Neuburgern damals ´too much´ und so kam das Werk über Umwege in die Alte Pinakothek, Glück für München. – Gemächlich fliesst die Donau am Burgberg vorbei, würdevoll und bedachtsam grüßt die Residenz mit ihren gewaltigen Rundtürmen. Ruhig und sachte schien uns auch das Leben der kleinen Stadt zu sein. Es ist schön, dass es in Bayern solche Städte gibt.

Hier ein paar Eindrücke:

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaltenberger Ritterspiele: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

(DE) Aus ist´s, schön war´s und vor allem aufregend: die diesjährigen Kaltenberger Ritterspiele. Das größte Mittelalter-Festival der Welt endete fulminant am vergangenen Sonntag und lässt einen schon auf nächstes Jahr gespannt sein. Wir sind auf alle Fälle wieder dabei, wenn eine neue Story vom furchtlosen Recken das spannende Turniergeschehen umrahmt und 200 Darsteller und Mitwirkende von Neuem das Mittelalter zum Leben erwecken.

Dieses Jahr war es eine Geschichte von Mord und Sühne. Es ging um den feigen Mord des Schwarzen Ritters am König und Vater der beiden Prinzen Arnulf und Blacwin und wie diese nach spannenden Kämpfen diese Tat rächen. Die Story gipfelt nach zwei Turnieren und witzigen Gauklernummern in einer atemberaubenden Entscheidungsschlacht. Dabei gibt die erprobte französische Stuntgruppe Chevaliers de Tournoi mit ihren wunderschönen andalusischen Pferden alles: von Ritten durch Feuerwände zu absichtlichen und unabsichtlichen (?) Stürzen bis hin zu akrobatischen Übungen an, auf und unter dem galoppierenden Pferd.

Die brodelnde Stimmung in der etwa 10.000 Menschen fassenden Kaltenberger Arena erinnert an ein Fußballstadion, La-Ola-Wellen miteingeschlossen. Am Ende der Live-Show haben nicht nur die Ritter Adrenalin im Blut. Viele der Gäste sind Wiederholungstäter und nicht wenige kommen gleich mittelalterlich gewandet.

Adäquate Kleidung und viel Kunsthandwerk aus Holz, Metall und Leder findet man bei einem Bummel rund ums historische Schloss, wo auf einem liebevoll errichteten Mittelaltermarkt eifrig Handel getrieben wird. Man kann einem Waffenschmied bei der Arbeit zusehen und staunen, wie geschickt ein Drechsler mit historischen Werkzeugen umgeht. Und bei der Blumenfrau gibt´s einen Strauß Wiesenblumen für die Liebste. In insgesamt elf über das Gelände verteilten Lagern und auf sechs Bühnen taucht man vollends ins authentische Mittelalterleben ein. Selbstverständlich wird man auch kulinarisch bestens versorgt und kann sich u.a. an Rahmfleck und Krustenbraten laben. Zusammen mit einem echt Kaltenberger Bier ein Hochgenuss. Alles in allem habe ich mich danach wie nach einem Kurzurlaub gefühlt, bei dem man in der perfekten Kulisse des Kaltenberger Schlosses in eine fremde Welt eintaucht.

Seit 1980 findet unter der Leitung von Luitpold Prinz von Bayern das Spektakel statt. Er lässt es sich nicht nehmen, das Turnier mit salbungsvollen Worten hoch zu Ross zu eröffnen. Pünktlich zum 35-jährigen Jubiläum ging dieses Jahr die Turnierleitung über zur nächsten Generation an seinen Sohn Heinrich von Bayern. Für das Jahr 2015 ist Großes geplant: Endlich soll die Kaltenberger Arena überdacht werden, um den Besuchern mit Sonnen- und Regenschutz mehr Komfort zu bieten. Ein Teil der Arena wird so in einen riesigen Burghof verwandelt. Wir sind sehr gespannt!

Wer nicht bis dahin warten möchte, kann am 8. August am gleichen Ort die Live-Darbietung des Fantasy-Epos Die Zwerge nach Markus Heitz genießen. Das mehr als zweistündige Multimedia Event inszeniert die Zwergen Saga in einer Kombination aus Lesung, Konzert, Schauspiel und Film und verspricht große Unterhaltung.

 

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunstvermittlern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

Neues Ammersee-Strandbad

(CE) Der Ammersee ist immer einen Ausflug wert. Stegen, ca. 25 Minuten vom mittleren Ring München entfernt, hat ein neues Strandbad. Da der Uferbereich sehr schmal war, hat man einfach schön geschwungene Liegeflächen in den See aufgeschüttet. Die neu eingesäten Rasenflächen sind noch nicht zu betreten, die neuen Kiesbänke schon (Bild). Der Blick über den See ist phantastisch, bei klarer Sicht schaut man genau auf das Zugspitzmassiv. – Lust auf unsere Tagestour mit dem Dampfer rund um den Ammersee? Wir starten in Stegen und enden auch dort in einem Biergarten.

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Schnappschuss: Strandbad Utting, 28. April, 18 Uhr, 25 Celsius

(CE/DE) Sicher einer der schönsten Orte am Ammersee ist das Strandbad Utting. Man lehne sich an die warmen Holzplanken des Bootshauses der Wasserwacht und genieße den einzigartigen Blick quer über den See auf das Zuspitzmassiv. Ende April, bei 25 Grad am Abend! Im See waren wir auch, ca. eine Minute in bitzelnd kaltem Wasser.

 

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