Schnappschuss: Endlich befreit

(CE) Drei Jahre, drei lange Jahre war sie verhüllt, die Schöne. In diesen Tagen werden endlich die letzten Gerüste abgebaut. Nun strahlt sie wieder, die wunderbare, einzigartige Theatinerkirche im hellen Münchner Gelb. Viele ausländische Gäste bestätigen uns bei unseren Führungen, dass der Blick von der Feldherrnhalle auf die Theatinerkirche und dann weiter über den Odeonsplatz zur Ludwigstraße zu den schönsten in Europa gehöre. Das ist wohl wahr. Ohne die von Francois Cuvilliés vollendete Fassade der Hofkirche der Wittelsbacher würde dem Odeonsplatz gewaltig etwas fehlen: die Grandezza des römischen Barock. Diesen nämlich haben die italienischen Architekten Barelli, Spinelli und Zuccalli in einer Gemeinschaftsleistung nach München gebracht. Vorbild der Theatinerkirche von 1690 war die römische Kirche Sant´ Andrea della Valle (Wikipedia), die 1650 geweiht wurde. Dieser ebenfalls sehr schönen Kirche jedoch fehlt etwas, was unsere Theatinerkirche hat, nämlich zwei Flankentürme an der Schaufassade. Sie wurden glücklicherweise bei der Theatinerkirche gebaut und tragen wesentlich zu ihrer feierlich heiteren Wirkung bei. Im bayerischen Barock nämlich hat eine Kirche mindestens einen Turm.

Schnappschuss: Cottage-Stil in Gern

(CE) Wer hätte nicht gern ein Häuschen in Gern? Cottages nannten die Architekten Jakob Heilmann und Max Littmann ihre ersten Reihenhäuser, als sie 1892 begannen, eine kleine private Reihenhaus- und Villenkolonie vor den Toren der Stadt zu bauen. Drei wunderbar gepflegte Häuser in der Tizianstraße zeigt unser Schnappschuss. Es sind nicht die einzigen. Erleben Sie dieses idyllische Viertel in unserem neuen Stadtspaziergang ´Idyllische Künstlerkolonie Gern´.

 

Schnappschuss: Ammersee im Herbst

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(CE) Der Ammersee hat etwas Beruhigendes. Friedliches. Weiches. Nichts, was mit großem Hallo daherkommt. Nichts Auftrumphendes. Das macht ihn, glaube ich, so liebenswert. Der leicht schwermütige Charakter von Landschaft und See kommt besonders im Herbst zur Geltung. Der Ammersee ist ein Herbst-See.

Föhntage wie heute lassen an den Sommer denken, doch die Abende sind kurz und schon empfindlich kalt. Noch liegen einige Segelboote an ihren Ankerplätzen und bilden schöne Vertikalen, bevor auch sie eingeholt werden und auf den Wiesen der Segelclubs überwintern.

Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Georg Trackl

Schnappschuss: Dendroid in Schwabing

(CE) Dendroide, so nennt der New Yorker Künstler Roxy Paine (*1966) seine Edelstahl-Bäume. 2011 hat er so einen Baum für einen neu geschaffenen Platz an der Mandlstraße in Altschwabing geschaffen, ganz in der Nähe des bekannten Münchner Standesamts, wo übrigens auch wir geheiratet haben. Fast könnte man im Dämmerlicht glauben, es handele sich um einen blattlosen, echten Baum, wenn da nicht die einheitlich silbrig schimmernde Oberfläche aus poliertem Edelstahl wäre. Den Baum kann man berühren, sogar umschlingen. Kalt fühlt er sich an, im Sommer sicher ganz warm. Seine Draht-Zweige hängen so tief herab, dass sie sich bewegen lassen. Sie wippen dann wieder zurück in ihre Position. Klopft man auf die glatte Metalloberfläche, Rinde ist hier sicher das falsche Wort, klingt es hohl. Komische Gefühle löst dieser Baum aus. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein Baum, ist aber keiner. Erinnert eher an einen Roboter. Ein Dendroid, eben.

Vielleicht wird man eines Tages Alleen mit Dendroid-Bäumen in den Städten pflanzen, pardon installieren. Die sind sicher wetterfester und leichter zu pflegen als echte Bäume. Blattläuse oder andere Baumkrankheiten sind ebenfalls nicht zu erwarten. Solche sarkastischen Gedanken gehen mir bei der Skulptur von Paine durch den Kopf.

Discrepancy – Unstimmigkeit, Abweichung, Widerspruch – lautet der vielsagende englische Titel der lebensgroßen Skulptur. Ein guter Titel. Kunstwerke stehen oft im Widerspruch zu einer bestimmten Wirklichkeit. Sie arbeiten mit Diskrepanzen und überraschen durch bewusste Abweichungen von der Normalität, so auch die Stahlskulptur von Paine. So weicht auf der eine Seite der Baum von der Wirklichkeit der Natur ab, auf der anderen spiegelt er eine zweite wider: die Wirklichkeit der Technik und unserer technoiden Kultur. Diese ist besonders in den Großstädten omnipräsent, in deren Straßen und Plätzen beispielsweise die Jahreszeiten kaum mehr wahrzunehmen sind. Die virtuellen, technischen Welten werden immer mächtiger. Der Blick aufs Smartphone oder Tablett ersetzt den Blick auf die Natur.

Es liegt bei Paines Skulptur eine doppelte Diskrepanz vor: Sein Dendroid ist weder ein Naturprodukt noch ist er ein technisches Produkt im Sinne einer Maschine. Er ist ein Kunstwerk! Kunstwerke sind oft in einer Art Zwischenwelt angesiedelt, sie haben ein spezifisches Sein, eine eigene Ontologie. Sie formen neue Realitäten, indem sie auf vorhandene Bezug nehmen und diese variieren. Genau dieses Spiel treibt der Künstler mit seinem Schwabinger Dendroiden auf raffinierte und erlebenswerte Weise. Congrats Roxy Paine!

Schnappschuss: Clouds

(CE) Unter dem Titel Clouds hat es der Südtiroler Aktionskünstler Philipp Messner in der Nacht von Sonntag auf Montag in München schneien lassen. In grellem Blau, Gelb und Rot leuchtet nun der Schnee auf der Wiese vor der Alten Pinakothek. Bewerkstelligt hat Messner sein „performatives, skulpturales Happening“ mit drei Schneekanonen. Dem Kunstschnee hat er Lebensmittelfarbe beigemischt. Das Ergebnis lässt sich sehen! Eine surreale Schneelandschaft mitten in München. „Der bunte Schnee hat schon was von Bildstörung“, so der Künstler ganz richtig. Spuren ziehen, Schlitten fahren, Schneemänner bauen, das alles ist ausdrücklich erlaubt. Das Happening kommt an, spielende Kinder, Erwachsene, alle machen mit. Solange das Wetter mitspielt und es nicht zu mild wird, bleibt der Spaß bis zum 5. Februar allen erhalten. Also, Herr Messner, lassen Sie es weiter schneien. Die Rot- und Gelbtöne sind schon ein wenig ausgeblichen.

 

 

Schnappschuss: Herrsching im Herbst

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(CE) Herrsching am Ostufer des Ammersees rühmt sich, die größte Seepromenade Deutschlands zu besitzen. Wie auch immer dies gemessen wird, der Blick über den See liegt für mich auf Platz eins aller Seepromenaden. Über der Südspitze des Ammersees erhebt sich majestätisch das Zugspitzmassiv. Rechts davon erstreckt sich – wie hier im Bildhintergrund zu sehen – das Ammergebirge weit nach Westen. Die Herrschinger Bucht bildet die breiteste Stelle des Ammersees. Über dem Westufer – genau gegenüber der Promenade – geht jeden Abend die Sonne unter. Die längsten Sommerabende am Ammersee gibt es in Herrsching.

Nun ist es Herbst geworden, kurz und kühl die Abende. Mit ein wenig Wehmut denkt man an die schönen Sommermonate. Der Herbst hat mit seinem besonderen Licht und seinen warmen Farben einen besonderen Charme. Er vermittelt ein wohlige Melancholie und besitzt eine gewisse Tiefe. Herbst und Winter können uns trösten. Dunkelheit und Kälte gehören eben dazu, gehen aber ganz sicher irgendwann vorüber. Frühling und Sommer dagegen sollten uns mahnen.

Herrsching ist übrigens mit der S8 vom Marienplatz in ca. 45 Minuten zu erreichen. Der Ort ist der klassische Ausgangspunkt, um den Heiligen Berg, sprich Kloster Andechs, zu erklimmen, oder der ideale Endpunkt, eine Kunst-Tour durch das bayerische Oberland an seiner Seepromenade ausklingen zu lassen.

Schnappschuss: Breiter Hüte

(CE) Von Zeit zur Zeit kommen durch Bauarbeiten Objekte vergangener Tage wieder zum Vorschein, bevor sie für immer verschwinden. So wie diese Fassadenreklame ´ELEGANCE UND GÜTE / Breiter Hüte´, das erste Wort bitte französisch aussprechen. Sie dürfte Ende der Fünfziger Jahre entstanden sein; fotografiert habe ich sie in der Dachauer Straße Nähe Hauptbahnhof. Inmitten trister Fassaden rasch hochgezogener Nachkriegshäuser, flankiert von Barackenbauten und Baulücken – wie muss an einem Januar-Tag wie gestern die Leuchtreklame damals mit ihrer weißen Schrift und ihren bunten Farben gestrahlt haben! Das kriegszerstörte München, graue Straßen, die einen depressiv machen können, darin ein Lichtblick.

Die Reklame suggeriert eine schöne neue Welt. Leichten Schrittes mit hellblauer Fliege und Regenschirm und vor allem mit einem großen lila Zylinder auf dem Kopf bewegt man sich durch die Straßen. Singing in the Rain. Die Werbung hat etwas Verdrängendes, Komisches und auch Irreales. Einerseits erkennt man in ihr das Bestreben, den Krieg auf elegante Weise hinter sich zu lassen. Andererseits ist sie seltsam antiquiert, denn auch vor sechzig Jahren schritt niemand mehr so durch München. Übrigens, die Firma Breiter Hüte gibt es immer noch. Breiter Hut & Mode, 1863 in Rott gegründet, seit 1911 in München, ist ein Familienunternehmen in der fünften Generation und unterhält in der Stadt vier Filialen sowie eine in Starnberg. Ob dort wohl noch lila Zylinder zu erwerben sind?

Schnappschuss: Der Gebückte

(CE) ´Present Continuous´ – so hat der niederländische Bildhauer Henk Visch seine Aluminium-Skulptur betitelt, die seit 2011 vor dem Ägyptischen Museum zu sehen ist. Betrachtet man die Arbeit genauer, erkennt man, dass von der Stirn der Figur ein roter Stab senkrecht in Richtung Boden verläuft. Dieser kommt, was viele nicht wissen und auch nicht sehen können, in einem der unterirdischen Museumssäle wieder zum Vorschein und ragt ein Stück aus der Decke.

Gemeint ist die Verbindung zwischen dem Heute und der Vergangenheit, welche – wie im Fall des Museums – oft unter der Oberfläche unterirdisch verborgen liegt. Das ist an sich eine schöne Symbolik, nur: Niemand scheint bei der Aufstellung der Skulptur den städteräumlichen Zusammenhang beachtet zu haben. Die Figur ist parallel zur viel befahrenen Gabelsberger Straße platziert. Schätzungsweise 90 Prozent aller Betrachter sehen die Figur also beim Vorbeifahren mit dem Auto. Aus dieser Perspektive sieht es so aus, dass sich hier jemand bückt und sich seines Mageninhaltes entledigt, um es einmal so ausdrücken. Der Name `Der Blutkotzer´ hat sich für die Skulptur in München schon fast eingebürgert. Stellte man die Figur um 90 Grad seitlich zur Straße um, wäre das Problem gelöst und auch die Vorbeifahrenden würden erkennen, dass hier jemand nach unten schaut und nicht spuckt.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunstvermittlern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

 

 

Schnappschuss: Der Harmlos

(CE) Wie schön ist es, dass man – wenn man in Münchens City arbeitet – seine Mittagspause im Englischen Garten verbringen kann. Das sonnige Herbstwetter lädt momentan unbedingt dazu ein. Am Übergang vom Hofgarten zum Englischen Garten steht seit 1803 die Jünglingsstatue des Antinoos. Geschaffen hat sie Franz Jakob Schwanthaler. Sein Sohn Ludwig wird später durch die Bavaria, ja die an der Theresienwiese, berühmt werden. Schwanthalers Skulptur wird seit altersher in München „der Harmlos“ genannt. Das liegt an der Spruchtafel, an die sich der schöne Nackte lehnt. Gut lesbar für alle Gartenbesucher steht darauf: „HARMLOS WANDELT HIER. DANN KEHRET, NEU GESTAERKT, ZU IEDER PFLICHT ZURÜK.“

Womit wir wieder bei der Mittagspause wären und ihrem höheren Sinn. Die Wittelsbacher haben, wie der Spruch deutlich macht, den Englischen Garten nicht zum schieren Volksvergnügen angelegt. Ganz im Sinne der Aufklärung sollte das Schöne mit dem Nützlichen in Deckung gebracht werden. Als Volkspark diente der Englische Garten der Stärkung der Volksseele. Endzweck war die bessere Ausübung der Pflichten eines Jeden. Heute würde man sagen, der Garten sollte das nachhaltige Funktionieren der Human Ressourcen sicherstellen. Nun, wenn ich an meine Mittagspausen denke, Münchens zentraler Garten erfüllt diesen Zweck bis heute nahezu perfekt.

Übrigens, harmlos war dieser Antinoos wahrscheinlich nicht. Er war der Lover Boy Kaiser Hadrians. Unter ungeklärten Umständen ertrank der schöne Jüngling im Jahr 130 in den Fluten des Nils. Hadrians Frau, Kaiserin Vibia Sabina, soll über den frühen Tod ihres Nebenbuhlers nicht unglücklich gewesen sein.

 

Schnappschuss: Dachterrasse Hotel Bayerischer Hof

(CE) Wer mag es nicht, über den Dächern von Nizza, pardon München, am Nachmittag einen Kaffee oder am Abend einen Martini zu genießen? Die Dachterrasse des ältesten Münchner Grand Hotels Bayerischer Hof lädt dazu ein und zwar im wörtlichen Sinne. Das Cafe Restaurant über Münchens City ist öffentlich, jeder ist willkommen. Das Personal ist sehr zuvorkommend und locker. Niemand wird schief angeschaut, der in Normalkleidung durch das Luxushotel schlendert.

Um in das geschmackvoll gestylte Dachcafé zu kommen, lassen Sie gegenüber der Rezeption einen der vier Fahrstühle kommen und wählen die oberste Etage. Oben angekommen, dann die Treppe rechts zum Spa-Bereich nehmen und schon sind Sie da. Der Blick von der Dachterrasse ist traumhaft. Direkt gegenüber sieht man den Nordturm der Fraunkirche, rechts Stachus und Hauptbahnhof und links den gesamten Münchner Osten. Übrigens: Der Dachgarten des Bayerischen Hofs ist Teil unserer Führung München Spezial, die zu besonderen, unbekannten bzw. nie besuchten Orten in München führt. Nun, dieser hier sei verraten. Alle anderen erfahren Sie auf unserer Führung.

 

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.