Frühlings Erwachen

(CE) Vor wenigen Tagen jährte sich der 94. Todestag von Frank Wedekind. Aus gegebenem Anlass – heute soll endlich der Frühling mit warmen Temperaturen kommen – möchten wir an ihn und sein bekanntes Stück ´Frühlings Erwachen´ erinnern. Unter dem Titel ´Spring Awakening´ lief es ab 2006 als Musical am Broadway und ging anschließend weltweit auf Tour. Letzten Sommer brachte das Deutsche Theater München das Musical auf die Bühne. Irgendein deutsches Theater spielt das Stück eigentlich immer, gerade war Premiere im Theater Oberhausen.

Frank Wedekind war die alles überragende Gestalt der Schwabinger Bohème, ihr Spiritus rector, ein Tausendsassa, Autor, Redakteur, Schauspieler, Regisseur, Kabarettist, Inspirator. Allgemein bekannt wurde er 1898, als er mit einem satirischen Gedicht in der Zeitschrift ´Simplizissimus´ Kaiser Wilhelm II. herrlich veräppelte. Prompt wurde er der Majestätsbeleidigung angeklagt. Seiner Verhaftung entzog er sich durch eine Flucht nach Paris. Kurz zuvor absolvierte er noch einen Auftritt im Künstlerlokal Café Minerva (damals Akademiestraße 9). Hinter den Kulissen lauerte bereits ein Polizeidetektiv, wie sich Lovis Corinth beeindruckt von der Chuzpe Wedekinds erinnerte.

Wedekind stellte sich dann später der Polizei und erhielt (übrigens wie später Herr Hitler) sechs Monate Festungshaft. Im Unterschied zum Zuchthaus war dies eine erleichterte Haft für politische Straftäter, die nicht als kriminell angesehen wurden. Nach drei Monaten wurde Wedekind wieder entlassen und konnte weitermachen. Sein Stück ´Frühlings Erwachen´ übrigens handelt von der Pubertät (Untertitel: Eine Kindertragödie) und ist eine komisch-tragische Abrechnung mit der damaligen Sexualmoral. Im Kern betrifft es die Probleme jeder jungen Generation und bleibt daher immer aktuell. Hier der gesamte Text im Projekt Gutenberg von spiegel online.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

 

´Prinz Eisenherz´ im Theater der Jugend

(DE) Er war der Held meiner Kindheit und ich war Aleta, seine Geliebte. Der Vater meiner besten Freundin sammelte damals Eisenherz-Comics. Sobald meine Freundin und ich lesen konnten, verschlangen wir die wunderbaren Abenteuergeschichten und spielten sie über Jahre hinweg selbst nach. Wir ritten auf unseren Fahrräder Attacken gegen die Wikinger und schwangen dabei Äste oder Gummischwerter. Was für eine Freude, in der Stadt das edle Konterfei des schönen Prinzen als Werbeplakat zu entdecken, das ein neues Stück des Theaters der Jugend in der Schauburg ankündigt: Prinz Eisenherz, Prinz von Thule, Teil 1 einer geplanten Serie.

Am Wochenende besuchten wir mit unserem Sohn nun sehr gespannt die Abendvorstellung (für Kinder ab 10 Jahren). Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es nur fünf  Schauspieler schaffen sollen, das Epos auf die Bühne zu bringen. Die Überraschung: Es gelang, und zwar mit Hilfe von großen Puppen, die immer wieder als Ritter und andere Personen agierten. Um es vorwegzunehmen: Das Stück ist sehenswert – allerdings mit Einschränkungen.

Die Schauspieler sind sehr gut, Ausstattung und  Bühnenbild ebenfalls, die Inszenierung jedoch arbeitet stark mit extremen Licht- und Toneffekten: lange Dunkelheit, Rauch, plötzliche laute Knalls und schrilles Gekreische. Für sensible Kinder ist das absolut nicht geeignet. Obwohl sich das Stück angenehmerweise ziemlich genau an die Buchvorlage hält, gleitet die Umsetzung immer wieder zu sehr in Richtung experimentelles Theater ab. Ist dabei nicht schlecht gemacht, muss man aber mögen. Zudem nerven manchmal pädagogische Dialoge wie etwa zum Thema ´Was ist ein Held?´. Für Kinder ist manches zu verkopft. Gelacht hat das Publikum im gesamten Stück nur einziges Mal – dabei hat die Comic-Vorlage durchaus Witz und Komik.

Sehr gut fanden wir die beiden Percussionkünstler und DJs in den zwei Vertiefungen der Bühne, die mit Mischpult, Schneebesen, Riffelblech, Wassergläsern, Metallophonen, Trommeln und vielen anderen Dingen tolle Klänge erzeugten. Unser Sohn fand das Stück diplomatisch „mittelgut“. Fazit: Theater von Erwachsenen für Erwachsene. Für eingefleischte Eisenherz-Fans ein Muss, für Kinder eher schwer verdaulich.

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