Top 5: Kirchenbauten in München

(CE/DE) Unsere neue Serie ´Top 5´ starten wir mit den Münchner Kirchen. Welche sollte man gesehen haben? Hier die unserer Meinung nach fünf bedeutendsten, interessantesten, schönsten …,  chronologisch geordnet:

St. Michael
Bauzeit: 1583-1597
Architekt: unbekannt, beteiligt
Friedrich Sustris und Wendel Dietrich
Neuhauserstr. 52, U-Bahn: Karlsplatz/Stachus
Öffnungszeiten:
Täglich 8-19 Uhr
Wohl schönste Renaissance-Kirche Deutschlands. Großartiger Kirchenraum. Grablege der Wittelsbacher, u.a. König Ludwigs II.

St. Kajetan – Theatinerkirche
Erste Bari
Bauzeit: 1663-1768
Architekten: Agostino Barelli, Enrico Zuccalli
und Francois de Cuvilliés d. Ä.
Theatinerstr. 22, U-Bahn: Odeonsplatz
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 6-19.30 Uhr, So. 7-19.30 Uhr
Erster barocker Kirchenbau nördlich der Alpen. Hofkirche der Wittelsbacher und ebenfalls Grablege. Fassade von Cuvilliés im Rokoko-Stil vollendet.

St. Nepomuk – Asamkirche
Bauzeit: 1733-1746
Architekten: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam
Sendlinger Str. 62, U-Bahn: Sendlinger Tor
Öffnungszeiten:
Mo. – Fr. 7:30-18 Uhr, Sa. 8-19 Uhr
So. 8-15 Uhr
Bedeutender Rokoko-Kirchenbau, als Privatkirche geplant und ausgeführt von den Gebrüdern Asam. Opulenter, theaterhafter Innenraum.

St. Matthäus
Bauzeit: 1953-1957
Architekt: Gustav Gsaenger
Nussbaumstr. 1, U-Bahn: Sendlinger Tor
Öffnungszeiten:
Di. – Fr. 9-16 Uhr
So. 8-12, 17-20 Uhr
Zentralbau aus organischen „Nierenformen“ mit Campanile. Typischer Bau der 50er Jahre von eigener, besonderer Ästhetik.

Herz Jesu
Bauzeit: 1997-2000
Architekten: Allmann Sattler Wappner
Romanstr. 6, U-Bahn: Rotkreuzplatz
Öffnungszeiten:
Täglich 8-19 Uhr außer Di. 8-12
sowie nicht während der Gottesdienste
Maßstäße setzender moderner Kirchenbau. Sich öffnende Fassade. Reduktionistische Formen von kontemplativer Wirkung.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

Engel in Oberbayern

(CE) Es gibt ja Orte, die eine besonders hohe Engel-Dichte besitzen. Oberbayerische Kloster- und Pfarrkirchen zum Beispiel. Ganze Engel-Familien, um nicht zu sagen Heerscharen bevölkern vom Allgäu bis Chiemgau die bayerischen Rokokokirchen. Auf Erden fühlen sich die himmlichen Wesen im Voralpenland offensichtlich besonders wohl – etwas, was sie mit vielen Menschen teilen. In einer bestimmten Pose oder Bewegung erstarrt, halten die Engel tagsüber ganz still und warten darauf, dass abends die schweren Eingangstüren geschlossen werden und Nacht sich über die Kirchenschiffe legt. Dann beginnt das große Flattern und Jubilieren. Die himmlichen Wesen erwachen zum Leben, fangen an zu trompeten, zu fiedeln und Hallejulah zu singen. Ähnlich wie im Hollywood-Film Nachts im Museum mit Ben Stiller, stell ich mir so vor.

Ständig Gottvater, Jesus, Maria und Josef, sämtliche Heilige wie auch Kanzeln, Reliquienschreine, Haupt- und Seitenaltäre, Orgeln, Beichstühle und sonstiges kirchliches Inventar zu umschwirren – und das auch noch auf möglichst dekorative Weise – ist, Allmächtiger, anstrengend. Was so mühelos aussieht, ist sicher sehr schwierig. Dahinter steckt viel Training, auch für Engel.

Wie viele wissen: Engel ist nicht gleich Engel. Es gibt Erzengel, Cherubine, Schutzengel, Weihnachtsengel, gelbe Engel, Jubel- und Musikengel. Sehr flexibel passen sie sich unseren Vorstellungen an. So schaut ein Putterl von Egid Quirin Asam in der Münchner Asamkirche ganz anders aus als eines von Dominikus Zimmermann, der sie sich als Kleinkinder mit Männer-Gesichtern vorstellte, wie man in der Wieskirche sehen kann.

Meiner Meinung nach viel schönere Engel als der berühmte Zimmermann hat der Weilheimer Franz Xaver Schmädl in der Pfarrkirche Mariae Geburt in Rottenbuch geschaffen. Das ehemalige Gotteshaus (links) der Augustinerchorherren ist eine wahre Rokoko-Pracht, bezaubernd schön, ein echter Ausflugstipp. Das Klosterareal ist, anders als die Wieskirche, völlig untouristisch. Ein kleiner Krämerladen beim Klostertor, vor der Wirtschaft sitzen ein paar Eingeborene in der Frühlingssonne, Fahrradfahrer radeln vorbei, Friede auf Erden.

Und natürlich diese Engel von Meister Schmädl (siehe die Fotos). Manche sitzen beinander und scheinen eher zu plauschen als den Rosenkranz zu beten. Andere singen ein bisschen. Viele spielen, verteilt über den ganzen Kirchenraum, ein Musikinstrument. Wie das wohl klingt, nachts, wenn die Engel alleine sind? Ich würd´s ja gern mal hören, aber da sind die Kirchen ja leider immer fest verschlossen.

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