Verzaubertes Mittelalter: Christoph Brech im Bayerischen Nationalmuseum

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Foto: Bayerisches Nationalmuseum

(DE)  Der international bekannte Foto- und Videokünstler Christoph Brech präsentiert im Bayerischen Nationalmuseum eine äußerst sehenswerte Auswahl seiner Arbeiten. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, vom Künstler selbst durch dessen neue Ausstellung geführt zu werden und war begeistert. Unter dem Titel ÜBERLEBEN nimmt Brech unmittelbaren Bezug auf die Sammlung, erweckt die Museumsexponate zu neuem Leben, verfremdet sie und irritiert die Sinne. Seine etwa 20 Video-, Klang- und Rauminstallationen greifen ikonografische Themen der meist mittelalterlichen Kunstwerke auf und interpretieren diese auf überraschende Weise. Einige der Arbeiten sind für die Ausstellung neu entstanden, andere werden zum ersten Mal in München gezeigt.

www.kunst-tour.de_christoph brech2So wird in der Sammlung mittelalterlicher Glasmalerei Brechs Video Paradiso auf eine Säule in der Raummitte projiziert. Dabei ergeben sich fließende Farbkompositionen, die zusammen mit einem Klangteppich der Musik von Giovanni di Palestrina verzaubern. An anderer Stelle sieht man über einer mittelalterlichen Bettstatt goldene Schwäne langsam eine schwarze Wand entlang ziehen, untermalt von einem Klangemisch von Wagnerscher Musik und Berliner Straßengeräuschen. Das Ganze löst eine traumhafte Stimmung aus. Im Rittersaal (siehe Foto mit Künstler) steigen metallisch glänzende Heliumballons von den eisernen Handschuhen der Rüstungen auf und scheinen diese regelrecht zu entwaffnen. Es entwickelt sich ein poetisches Spiel der Gegensätze, Härte der Rüstungen versus Verletzlichkeit der Ballons.

Arbeiten des Künstlers, der an der Münchner Kunstakademie studiert hat, werden in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien gezeigt. Schwerpunkte legt Brech auf die Themen Zeit und Vergänglichkeit, An- und Abwesenheit, Erinnerung sowie auf körperliche, geistige und spirituelle Übergänge. Ein wichtiges Thema seiner Arbeiten ist immer wieder die Musik. Brechs Arbeiten zeichnen sich durch große Sinnlichkeit sowie durch subtile Verweise auf die Kunstgeschichte und Hintergründiges aus.

Die Ausstellung im Nationalmuseum wurde verlängert und dauert noch bis zum 4.9. – am besten zu genießen mit einer fachkundigen Führung durch Kunst-Tour! Kooperationspartner der Ausstellung ist die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst,  diese zeigt im gleichen Zeitraum weitere Arbeiten von Christoph Brech in der Galerie der DG, Türkenstraße 16, 80333 München.

Installation ´Die Weiße Tauben´ in der Heilig-Geist-Kirche

(CE) Noch bis zum 6. Januar ist die Multimedia-Installation des Münchner Künstlers Michael Pendry in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt zu bestaunen. Ein lang gestreckter Schwarm von Hunderten weißer Papiertauben zieht sich über die gesamte Länge des Mittelschiffgewölbes und fliegt geschwungen in Richtung Hochaltar. Durch einen leichten Luftzug bewegen sich die einzelnen Tauben ganz sanft und wirken so sehr lebendig. Das ist in Verbindung mit der Rokoko-Architektur optisch sehr reizvoll, ein wenig surreal und doch wieder passend, schließlich ist die Taube das Symbol des Heiligen Geistes.

Etwas enttäuscht war ich von der eigentlichen Multimedia-Show, die jeden Abend bei Dunkelheit in der Zeit von 18 bis 20 Uhr abläuft. Der gesamte Kirchenraum wird dann in farbiges Licht gehüllt. Zwischen den Pfeilern installierte, schwenkbare Scheinwerfer streifen mit ihren bunten Lichtkegeln über die Mauern. Untermalt wird dies durch Synthesizer-Musik, die mit Taubengurren arbeitet, insgesamt aber nichtssagend bleibt, ja leider Assoziationen an Esoterik-Veranstaltungen und Wellness-Paradiese weckt. Gregorianische Klänge, Musik von Orlando di Lasso oder auch Karlheinz Stockhausen wären da die bessere Option gewesen. Am schönsten, scheint mir, kann man das Ganze tagsüber genießen und dabei – in der Stille des Kirchenraums – den Flug der Tauben auf sich wirken lassen.

KUNST-TOUR bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.