Schnappschuss: Kapellenhof der Residenz

(CE) Es gibt Orte in München, da scheint die Zeit still zu stehen oder wie man in bzw. von Bayern sagt: Da ticken die Uhren anders. Die Münchner Residenz ist so ein Ort. Ein Anzeichen dafür ist diese handbemalte, liebevolle Tafel am Eingang des Kapellenhofs „Die Verwaltung der Residenz Muenchen stellt ein: ….“. Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Wann mag man zum letzten Mal hier eine Anzeige unter der Plexiglasscheibe angeschraubt haben? In den Siebzigern oder Achtzigern des 20. Jahrhunderts?

Mit der Zeit und Vergangenheit ist das so eine Sache. Bei einem Luftangriff in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurde die Residenz der Wittelsbacher nahezu vollständig zerstört. Von rund 23.000 qm Dachfläche waren nur noch 50 intakt.  Fast alle Obergeschossräume waren ausgebrannt. Im Erdgeschoss hatten Sprengbomben und Luftminen die Gewölbe teilweise zum Einsturz gebracht. Mit der Restaurierung der Allerheiligenhofkirche im Jahr 2003 fand der Wiederaufbau der Residenz endgültig seinen Abschluss, d.h. fast sechzig Jahre haben die Münchner und der bayerische Staat hartnäckig, Schritt für Schritt, Jahr um Jahr das Königsschloss in der Innenstadt rekonstruiert. Eine unglaubliche Leistung, zumal wenn man sich die großartigen Innenräume anschaut. Heuer wird auch die Sanierung des Konigstrakts am Max-Joseph-Platz endlich abgeschlossen sein, ein Teil der florentinischen Rustika-Fassade an der Oper ist schon freigelegt.

Bleibt zu sagen: Zeit spielt keine Rolle, jedenfalls bei der Residenz. Da passt so a Stellen-Taferl scho. A  geh weiter, des is ja no ganz jung. Die Münchner Residenz ist schließlich ein halbes Jahrtausend.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.