Klee & Kandinsky – Ein Fest der Freundschaft!

(DE) Endlich ist es so weit: die lang erwartete Ausstellung ´Klee & Kandinsky: Nachbarn, Freunde, Konkurrenten´ im Kunstbau des Lenbachhauses hat letzte Woche eröffnet. Über dreißig Jahre waren die beiden Ausnahmekünstler in wechselvollen Zeiten miteinander verbunden. So unglaublich es klingt, es ist das erste Mal, dass die beiden Künstler derart umfassend gegenübergestellt werden. Hochkarätige Leihgaben u.a. aus dem Guggenheim Museum New York und dem Centre George Pompidou Paris bereichern die fulminante Schau.

Mit über 190 Werken spannt die mit dem Klee Zentrum Bern erarbeitete Ausstellung einen großen Bogen: von beider Anfänge und der Zeit des Blauen Reiters in München zu den gemeinsamen Bauhausjahren in Weimar und Dessau bis hin zum eindrucksvollen Spätwerk Kandinskys in Paris und Klees in Bern. Auf absolut sehenswerte Weise verdeutlicht die Ausstellung die künstlerischen und menschlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, das wechselnde Kräfteverhältnis und die gegenseitige Inspiration zwischen beiden. Gemeinsam spornten sich die Nachbarn, Freunde und Konkurrenten zu immer wieder neuen Ausdrucksformen an.

Lenbachhaus München, Kunstbau. Bis zum 26. Januar 2016.
Kartenreservierung empfohlen über www.lenbachhaus.de/tickets

 

How to work better – Playtime im Kunstbau des Lenbachhauses

(CE) Seit ein paar Tagen läuft die sehenswerte Ausstellung Playtime im Kunstbau des Lenbachhauses im Zwischengeschoss der U-Bahn-Station Königsplatz. Sie versammelt spielerisch und ernst zugleich künstlerische Reflexionen und Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts zum einem zentralen Thema: Arbeit. Wer arbeitet, warum, für wen und unter welchen Bedingungen?

Ganz kurz: Die Ausstellung ist großartig. Eine Arbeit sei an dieser Stelle exemplarisch herausgegriffen, die des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss How to work better (Bild). Ich selbst habe lange im Marketing und in der Unternehmenskommunikation eines Global Player gearbeitet. Das, was Fischli und Weiss thematisieren und wiederspiegeln, ist mir sehr bekannt.

Die zehn Gebote besseren Arbeitens haben die Künstler vor über zwanzig Jahren in einer Keramikfabrik in Thailand entdeckt, fotografierten sie ab und überführten sie in farbige Siebdrucke, die an den Look von Keramikkacheln erinnern. Die Gebote zielen auf perfekte Arbeitsabläufe und optimale Ergebnisse ab, sind aber grafisch betrachtet selbst nicht gerade optimal umgesetzt. Die verrutschten Zeilen und seltsamen Zeilenumbrüche wirken wenig professionell. Die Form konterkariert die Forderungen des Inhalts.

Das erste Gebot ist eine praktische Forderung: „1. Do one thing at a time.“ Weiter geht´s mit: „2. Know the problem.“ Aha. Dazu passt auch das Gebot: „5. Distinguish sense from nonsense.“ Alles ganz einfach, alles ganz logisch. Wer das Problem kennt, wird natürlich Sinn von Unsinn unterscheiden können. Das ist in der Wirtschaft, vor allem am Fließband, ein Kinderspiel.

Jetzt kommt mein Lieblingsgebot, das sechste: „Accept change as inevitable.“ Der Satz sticht heraus. Anders als die anderen praktischen Gebote befindet sich dieser auf einer übergreifenden, fast philosophischen Ebene. Er richtet sich nicht auf das Verhalten der Mitarbeiter, sondern auf deren Haltung. Mit Sicherheit hat das Topmanagement zusammen mit der beauftragten Unternehmensberatung diesen in den Katalog der Mitarbeiterkommunikation diktiert.

Panta rhei, alles fließt, meinte schon Heraklit. Veränderungen sind unausweichlich, also zu akzeptieren. Gemeint sind – nicht bei Heraklit, aber in der Wirtschaft – allerdings nur die negativen. Der Begriff „Change“ ist ein klassischer Euphemismus im Business Speak, ähnlich wie die Begriffe „Anpassung“, „Optimierung“ oder „Freisetzung von Arbeitskräften“. Change heißt konkret übersetzt: Fusionen, Umstrukturierungen, Schließungen, Arbeitsplatzabbau, Lohndumping, Steigerung der Produktivität durch Mehrbelastung, Einsparungen, Abbau von Sozialleistungen, Einschnitte jeder Art.

Change Management, auch Culture Change genannt, kam als Trend aus dem gelobten Land des gut gelaunten Kapitalismus, den USA, in den 90er Jahren auf. Change Agents wurden in den Unternehmen ausgewählt, auch Evangelisten genannt. Sie beriefen Meetings ein und verkündeten die Frohe Botschaft des Wandels. Plattitüden wie „4. Learn to ask questions“ (aber bitte nur arbeitsbezogene, keine systemkritischen) oder „8. Say it simple“ sind solch typische Weisheiten des angestoßenen Kulturwandels. Ganz wichtig und als Beruhigungspille die Aufforderung „9. Be calm“ (Mach dir keine Sorgen, alles wird gut!) und als Krönung und positiver Höhepunkt des Ganzen das Gebot 10: „Smile“.

Hier zeigt sich die lächelnde Fratze des fröhlichen Kapitalismus amerikanischer Prägung und Spielart. Wir sind ja alle so locker drauf, so happy und vor allem unheimlich nett zu einander. Alles easy, think pink, work hard, play hard, have fun, smile! Akzeptiere die Veränderungen als unausweichlich, füg dich ein und zeig durch ein Lächeln, wie glücklich dich das alles macht.

Ich stelle mir gerade die Menschen in den Fabriken in Bangladesh, in Südostasien, in China vor, sehe diese Gebote und mir vergeht das Lächeln. Aus Scham und Wut ist mir eher zum Heulen. Change our economy, change the world!

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

Cajetan und Cajetan

 

 

 

 

 

 

 

(CE) Rechts im Vestibül der alten Lenbachvilla steht ein ca. 1 Meter kleiner Mann namens Cajetan. Es ist eine mit Textilien bekleidete Bronze des österreichischen Künstlers Erwin Wurm und meine Lieblingsskulptur im neuen Lenbachhaus. Skeptisch steht er da, der Cajetan von Wurm. Sein Gesicht stelle ich mir nicht gerade liebenswürdig vor – ein unangenehmer Zeitgenosse, den es ins Museum verschlagen hat und der mit Kunst nicht viel anfangen kann. Großartig.

Cajetan oder auch Kajetan ist ein schöner alter Name, der in Bayern Tradition hat. 1768 schuf der Barockbildhauer Roman Anton Boos für die Fassade der Theatinerkirche einen Sankt Cajetan. Den Blick gen Himmel gerichtet, präsentiert der Ordensgründer der Theatiner theatralisch eine offenes Buch, in das Boos ein lateinisches Gebet gemeißelt hat. Der Heilige, der von 1480 bis 1547 in Italien wirkte, ist der Patron der Münchner Theatinerkirche.

Cajetan aus dem 21. und aus dem 18. Jahrhundert, es fasziniert immer wieder, wie unterschiedlich im Gang der Zeit die Kunst den Menschen versteht und festhält.

 

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Das Neue Lenbachhaus: Erste Bilder vom Inneren

(CE/DE) Gestern hatten wir das Vergnügen, im Rahmen einer Führung für freie Mitarbeiter das Neue Lenbachhaus von innen zu sehen. Nicht nur wir, sondern wirklich alle geladenen Guides waren schwer beeindruckt. Der Umbau durch Norman Foster und die neuen Räumlichkeiten sind phantastisch. Die Museumsfläche hat sich enorm vergrößert, insbesondere für die großartige städtische Sammlung der Kunst nach 45, die den Vergleich mit der Pinakothek der Moderne oder dem Museum Brandhorst nicht zu scheuen braucht. Wir haben eine Menge Fotos gemacht. Natürlich möchte das Lenbachhaus noch nicht zu viel verraten. Für sechs Fotos haben wir die Freigabe für unseren Blog erhalten. Hier sind sie.

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