Painting 2.0 – Malerei in unserer Zeit

(CE) Diese Ausstellung stellt die richtigen Fragen: Wie hat sich die Malerei seit 1960 in der westlichen Konsum- und Informationsgesellschaft entwickelt, deren Kennzeichen Spaß, Werbung und Spektakel sind? Wie reflektiert sie die veränderten Vorstellungen vom menschlichen Körper, ja vom Menschen selbst, ausgelöst durch die Bildflut der Werbung und neuen Medien? Wie hat sich die altehrwürdige Kunstgattung gegenüber Film, Video, Performance, Environment und Mixed Media Installation behauptet?

Immer wieder tot gesagt, hat die Malerei ihre Bedeutung als wichtigste Gattung der Bildenden Kunst nie verloren, davon zeugen sämtliche Kunstrankings der letzten 50 Jahre. Das Ende der Malerei aus der Sicht mancher Kunstkritiker und Theoretiker hatte nie viel mit der Realität und den Vorstellungen des Kunstpublikums, der Sammler und der Öffentlichkeit zu tun.

Die Ausstellung im Museum Brandhorst, die bis auf den Lepanto-Saal alle drei Ebenen des Hauses bespielt, ist im wörtlichen Sinne imposant. Ihre Größe und ihr Spektrum mutet den Besuchern einiges zu. Es werden keine dünnen Bretter gebohrt. Tatsächlich haben die Macher den Anspruch, die Entwicklung der westlichen Kunst seit 1960 darzustellen und die Sicht auf eben diese durch ihre Ausstellung zu verändern.

Die Grundthese lautet, dass die Malerei sich inhaltlich wie formal auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen der Moderne eingelassen hat. Painting 2.0 macht deutlich, dass Malerei schon lange nicht mehr Öl oder Akryl auf Leinwand bedeutet. Im Sinne eines erweiterten Malereibegriffs werden Materialien wie beispielsweise Bauschaum, Plastikfolie oder Neonröhren eingesetzt. Es werden neue Verfahren wie Siebdruck, Décollage, Graffiti oder Tintenstrahldruck verwendet. Und auch die Grenze zu anderen Gattungen wie der Plastik, der Installation, der Fotografie und des Videos ist von den Malerinnen und Malern eingerissen worden. Alle diese Entwicklungen, der Einfallsreichtum der Malerei, sind in der Ausstellung überreich und spannend zu verfolgen.

Und so ist der Grundthese der Ausstellung Recht zu geben: Die Malerei war nie tot. In ungebrochener Vitalität hat sie gesellschaftliche, technische und innerkünstlerische Entwicklungen nicht nur kommentiert und thematisiert, sondern sie wie ein Vampir eingesogen, sich zu Nutze gemacht und einverleibt.

Painting 2.0 wartet mit großen Namen und Werken auf: Baselitz, Beuys, Immendorff, Klein, Lassnig, Polke, Rauschenberg, Richter, Twombly und Warhol. Absolut gewinnbringend ist es, sich den Arbeiten nicht ganz so bekannter Malerinnen und Maler zu widmen. Persönlich haben mir Werke besonders von Monika Baer, Carroll Dunham, KAYA (Debo Eilers & Kerstin Brätsch), Isa Genzken, Albert Oehlen und David Reed gefallen. Es gibt wahrlich viel zu entdecken. Wen die Malerei unserer Zeit interessiert, ja ganz generell, wer Malerei liebt, muss die Ausstellung Painting 2.0 gesehen haben.

Sauerbruch und Hutton in der Architekturgalerie

(CE) Farbige Gebäudeoberflächenflächen sind das Kennzeichen des Berliner Architektenpaars Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton. Ihre Münchner Bauten stellt zur Zeit eine kleine, aber feine Ausstellung der Architekturgalerie in der Türkenstraße 30 vor, passenderweise gleich gegenüber dem wichtigsten Bau der Architekten, dem 2009 eröffneten Museum Brandhorst (Bild).

Die Ausstellung zeigt die extrem aufwändig gestalteten, hoch interessanten Modelle aller Münchner Bauten. Sauerbruch betonte kürzlich in einem Interview, dass Computersimulationen die verschiedenen Wirkungen der farbigen Fassaden einfach nicht in Gänze wiedergeben könnten. Gerade fertig, aber noch nicht eingeweiht ist das ADAC-Gebäude der Architekten an der Hansa-Straße, dessen gelblich changierende Fassade vom Mittleren Ring aus gut zu sehen sind. In unserem Viertel in der Nähe des Schwabinger Tors wird gerade ein hässlicher, in Braunglas verkleideter ehemaliger Nixdorf-Bürobau von Sauerbruch Hutton neu bemaltet. Das Modell zeigt, wie die wunderbar schwingende Fassade je nach Blickwinkel ihre Farbe wechselt. Das ist sehr intelligent gemacht. Wirklich großartig ist auch das Wohn- und Geschäftshaus, was gerade in der Königinstraße entsteht. – Genug geschwärmt, die Ausstellung läuft noch bis zum 30.3., hier der Link.

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.