Schnappschuss: Sonnen am Königsbau

(CE) Endlich wieder sonnen am Königsbau der Residenz zur Mittagszeit! Lange, lange mussten wir darauf warten, um genau zu sein, seit den letzten Sonnenstrahlen im Spätherbst 2007. Ab da nämlich versah man die Fassade mit einem Gerüst samt Fotofolie und aus war´s mit dem Sonnenbaden. Die Steinsanierung ist abgeschlossen; als nächstes sind nun die seit Februar 2008 geschlossenen Innenräume des Königsbaus dran. 2015, heißt es, sollen die berühmten Nibelungensäle im Erdgeschoss sowie die Prunkappartments der Königin und des Königs im Obergeschoss wieder zu sehen sein.

Übrigens haben wir uns gefragt, seit wann eigentlich die Münchner auf dem Steinsockel des Königsbaus sitzen. Auf alten Stichen und Fotografien sieht man keine Bürger dort. Möglicherweise gehörte es sich einfach nicht, so mir nichts dir nichts zu Füßen des Monarchen Siesta zu machen. Unsere Vermutung ist, dass der (hellgraue) Sockel erst nach dem Ende der Monarchie in der 1920er Jahren oder nach dem Zweiten Weltkrieg vor die (gelbe) Sandstein-Fassade gesetzt wurde. Wer weiß, wer diese geniale Idee hatte, möge es uns mailen!

KUNST-TOUR ist ein Netzwerk von Kunsthistorikern und bietet Museums-, Ausstellungs- und Stadtführungen sowie Kulturprogramme in und um München.

Polierte Löwen an der Residenz

(CE/DE) Immer wieder fällt uns bei unseren Innenstadtführungen auf, wieviele Münchner und Touristen die Löwen an der Residenz im Vorbeigehen streicheln. Das Berühren der Löwenschnauzen an den Wappenschildern soll Glück bringen…  Die wenigsten allerdings wissen warum. – Nun, der Brauch geht zurück auf eine Legende, von der es verschiedene Versionen gibt. Hier die unserer Meinung nach beste:

Im Jahr 1848 heftet ein besonders frecher Student eine Schmähschrift auf Lola Montez an die Residenz. Die 27-jährige Lola ist die Geliebte des mittlerweile 62-jährigen König Ludwigs I.. Der ist stocksauer und lässt seinerseits Plakate aufhängen. Wer „die unbekannten Täter“ kenne und sie ihm nenne, erhalte eine königliche Belohnung. Unser frecher Student liest das und klebt an die Residenz ein neues Plakat: „Unbekannte Täter? Es waren derer vier – ich, Tinte, Feder und Papier!“, steht da jetzt. Der dreiste Dichter wird beim Plakatieren geschnappt und zu Ludwig gebracht. Als dieser den neuen Anschlag sieht, muss er lachen. Und seine Majestät schenkt dem Studenten nicht nur die Freiheit, sondern auch die Belohnung, „weil er ja selbst seine Ergreifung beigeführt hat“ (plagiert nach Münchner Denkmal-G’schichten von Matthias Bieber).

Die einen sagen, der Student habe vor der erzwungenen Audienz noch schnell die Löwen berührt. Die anderen, dass er beim Verlassen der Residenz vor Glück die Löwen streichelte. Egal, schlecht war es in beiden Fällen nicht. – Etwas besorgniserregend finden wir, dass das Streicheln der Schnäutzchen auf den Wappenschildern den Löwen selbst offenbar überhaupt nicht behagt. Ja, wir sind davon überzeugt, dass dieses ständige blank Polieren den bayerischen Wappentieren sogar tierisch auf den Geist geht. Oder wie ließe sich anders diese Miene deuten?

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Schnappschuss: Kapellenhof der Residenz

(CE) Es gibt Orte in München, da scheint die Zeit still zu stehen oder wie man in bzw. von Bayern sagt: Da ticken die Uhren anders. Die Münchner Residenz ist so ein Ort. Ein Anzeichen dafür ist diese handbemalte, liebevolle Tafel am Eingang des Kapellenhofs „Die Verwaltung der Residenz Muenchen stellt ein: ….“. Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Wann mag man zum letzten Mal hier eine Anzeige unter der Plexiglasscheibe angeschraubt haben? In den Siebzigern oder Achtzigern des 20. Jahrhunderts?

Mit der Zeit und Vergangenheit ist das so eine Sache. Bei einem Luftangriff in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurde die Residenz der Wittelsbacher nahezu vollständig zerstört. Von rund 23.000 qm Dachfläche waren nur noch 50 intakt.  Fast alle Obergeschossräume waren ausgebrannt. Im Erdgeschoss hatten Sprengbomben und Luftminen die Gewölbe teilweise zum Einsturz gebracht. Mit der Restaurierung der Allerheiligenhofkirche im Jahr 2003 fand der Wiederaufbau der Residenz endgültig seinen Abschluss, d.h. fast sechzig Jahre haben die Münchner und der bayerische Staat hartnäckig, Schritt für Schritt, Jahr um Jahr das Königsschloss in der Innenstadt rekonstruiert. Eine unglaubliche Leistung, zumal wenn man sich die großartigen Innenräume anschaut. Heuer wird auch die Sanierung des Konigstrakts am Max-Joseph-Platz endlich abgeschlossen sein, ein Teil der florentinischen Rustika-Fassade an der Oper ist schon freigelegt.

Bleibt zu sagen: Zeit spielt keine Rolle, jedenfalls bei der Residenz. Da passt so a Stellen-Taferl scho. A  geh weiter, des is ja no ganz jung. Die Münchner Residenz ist schließlich ein halbes Jahrtausend.

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